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Surprise Nr. 489

18. Dezember 2020 bis 7. Januar 2021

Nun ist der Advent, die saisonale Wartezeit, (fast) vorüber – und wir warten immer noch. Zum Beispiel auf das Ende dieses Jahres, das für die allermeisten kein gutes war. Und auf ein Ende der Verordnungen im Namen der Gesundheit, damit wir endlich wieder mehr Kontrolle über unsere Freiheit und unser Leben haben.

Nun ist zwar die Impfung da, aber es wird noch ein wenig dauern, bis sie auch bei allen (Willigen) ankommt. Und erst danach werden wir zu einem neuen Normal übergehen können – das es dann auch noch zu gestalten gilt. Derweil müssen wir noch durchhalten, sagt Kai Kupferschmidt, Molekularbiomediziner und Wissenschaftsjournalist. Weil das Verstehen der grösseren Zusammenhänge von Pandemien ein positives Gefühl von Kontrolle vermitteln kann, produziert er seit März mit zwei anderen auf Viertausendhertz den Podcast Pandemia. Bei Redaktorin Sara Winter Sayilir hat es gewirkt, sie wurde zum Fan der medizinisch-historisch-soziologischen Analysen, weshalb sie Kupferschmidt dann auch um ein Interview mit Surprise bat. Die kompakte Variante findet sich in dieser Ausgabe, die ausführlichere Version ist online nachzulesen: www.surprise.ngo/kupferschmidt

Lange Warten musste auch Shpetim Mevlani aus Albanien, der zu Zeiten des Staatsozialismus gern der Enge und der Unterdrückung entflohen wäre, stattdessen aber im Arbeitslager landete, unter absoluter Kontrolle der Staatsgewalt. Aus der Rückschau erzählt er Franziska Tschinderle seine Geschichte des Wartens auf ein besseres Leben.

Wie das Warten auf die Geburt des Kindes und das Warten auf den Tod der Mutter einen ähnlichen Zustand des Dazwischen bewirken, erzählt Autorin Dorothee Adrian: keine Termine mehr, jeden Tag aufs neue Hoffen und Bangen, warten, warten, warten.

Fatima Moumouni wartete derweil lange auf eine Rückkehr des Normalen, als ein ihr nahestehender Mensch plötzlich psychisch erkrankte.

Im Gegensatz zu vielen Situationen, in denen wir unfreiwillig warten, hat der Feuerwehrmann auf dem Titel Übung darin: Warten gehört zu seinem Beruf. Für die Bilder dieser Ausgabe hat Fotografin Sibylle Meier Menschen beim Warten auf der Arbeit beobachtet, wo selten Leerlauf und häufig konzentrierte Bereitschaft eine grosse Rolle spielen.

Sicher ist: Lesen verkürzt die Wartezeit – viel Vergnügen dabei. Und bleibt gesund.

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