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Die Sozialzahl
Angemessen wohnen

Ein Dach über dem Kopf zu haben, unter dem man sich wohlfühlt, ist ein Grundbedürfnis. Die Versorgung mit angemessenem Wohnraum ist deshalb ein zentraler Aspekt der Existenzsicherung und eines der Sozialziele in der Bundesverfassung. Doch wird dieses Ziel in der Schweiz erreicht? Wie ist der Zugang zu angemessenem Wohnraum für armutsbetroffene Haushalte und Menschen in prekären Lebenslagen, die ein Einkommen knapp über der Armutsgrenze erzielen?

Für die Beurteilung einer angemessenen Wohnversorgung müssen verschiedene Dimensionen berücksichtigt werden: die Wohnkosten, die Wohnungsgrösse, die Wohnqualität, die Wohnlage und die Wohnsicherheit. Zu den ersten vier Dimensionen gibt es Daten, wer etwas über die Wohnsicherheit erfahren will, muss mit den Betroffenen selber sprechen und Fachleute aus dem Sozialund Wohnungswesen befragen.

Die grundlegende Erkenntnis vorweg: 83,5 Prozent der armutsbetroffenen Haushalte in der Schweiz und 57,1 Prozent der Haushalte in prekären Lebenslagen weisen keine genügende Wohnversorgung auf. Damit ist die Wohnversorgung bei Armutsbetroffenen viermal häufiger unzureichend als in der Gesamtbevölkerung.

Hauptursache der ungenügenden Wohnversorgung sind die zu hohen Kosten. 82 Prozent der Armutsbetroffenen und 48,9 Prozent der Haushalte in prekären Lebenslagen leben,gemessen am Einkommen, in einer zu teuren Wohnung. Ihre Wohnkosten übersteigen die kritische Grenze von 30 Prozent des Bruttoeinkommens. Fachkreise plädieren sogar dafür, dass Haushalte mit tiefen Einkommen nicht mehr als ein Viertel ihres Bruttoeinkommens für das Wohnen ausgeben sollten. Gemessen an dieser Regel hätten sogar neun von zehn armutsbetroffenen Haushalten eine übermässig starke Wohnkostenbelastung.

Die anderen Dimensionen der messbaren Wohnversorgung spielen eine untergeordnete Rolle. 12,6 Prozent der armutsbetroffenen Haushalte leben in zu kleinen Wohnungen, 12,4 Prozent von ihnen wohnen in Lagen, die eine gesellschaftliche Teilhabe erschweren, und 7,5 Prozent bewohnen Mietobjekte von schlechter Qualität.

Neben dem Mangel an günstigem Wohnraum erweist sich die Wohnsicherheit als zentrale Schwierigkeit auf dem Wohnungsmarkt. Armutsbetroffene haben grosse Probleme, überhaupt eine Wohnung zu finden und diese über längere Zeit zu behalten. Besonders schwer haben es Personen mit Betreibungen. Hier sind dringend neue sozialund wohnungspolitische Ansätze gefragt, damit auch diese Menschen ihre Chance auf eine angemessene Wohnversorgung wahren können.