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Die Sozialzahl
Werden wir wirklich immer älter?

Der demografische Wandel der Schweiz beschäftigt Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Von einer doppelten Alterung ist die Rede. Gemeint ist damit, dass immer mehr Menschen immer älter werden. Stimmt das? Tatsächlich kommen die geburtenstarken Jahrgänge zwischen 1955 und 1964 allmählich ins Rentenalter. Oft wird diese Alterskohorte als die «Babyboomer» bezeichnet. Die Zahl der Menschen über 65 wird darum in der Schweiz in den nächsten 30 Jahren von heute rund 1,1 Millionen auf 2,7 Millionen ansteigen. Diese Entwicklung spiegelt sich auch im sogenannten Altersquotienten: Orientieren wir uns am Referenzszenario des Bundesamtes für Statistik BFS, so kommen heute noch 4,6 Erwachsene zwischen 20 und 64 auf eine Rentnerin oder einen Rentner. Im Jahr 2045 wird diese Relation noch 1 zu 2,1 betragen.

Mehr Menschen werden also alt. Doch werden sie auch immer älter? Die Statistiken und Prognosen des Bundes basieren auf der Annahme einer stetig wachsenden Lebenserwartung für Frauen und Männer. So ist dem Referenzszenario zu entnehmen, dass das Bundesamt für Statistik davon ausgeht, dass Frauen im Jahr 2035 durchschnittlich noch 24,9 Jahre und Männer noch 22,4 Jahre über ihre Pensionierung hinaus leben werden. Gegenüber heute entspräche dies einer Zunahme um 2,7 Jahre bei den Frauen und um 3,2 Jahre bei den Männern.

Die aktuellen Daten lassen nun aber die Vermutung aufkommen, dass dem nicht so sein wird. So zeigen Zahlen aus der Todesfall-Statistik, dass die Zeitspanne nicht mehr länger wird, die Menschen nach Erreichen des Rentenalters im Durchschnitt noch erleben dürfen. Frauen, die im Jahr 2010 starben, überlebten ihren 65. Geburtstag im Schnitt um 22,2 Jahre. Fünf Jahre später ist der gleiche Wert zu beobachten. Bei den Männern ist ein ähnlicher Verlauf erkennbar. Man spricht von einer stagnierenden Lebenserwartung der Neurentnerinnen und Neurentner. Über die Gründe für diesen Trend wird noch gerätselt.

Sollte sich diese Beobachtung in den kommenden Jahren weiter bestätigen, so hätte dies gravierende Auswirkungen auf die Altersvorsorge. Dabei ist eine differenzierte Betrachtung notwendig, weil sich die doppelte Alterung bei den beiden obligatorischen Säulen der Altersvorsorge in unterschiedlicher Weise bemerkbar macht. Wie hoch die Renten aus den Pensionskassen ausfallen, hat wesentlich mit der Lebenserwartung zu tun: Je länger wir leben, desto länger muss das angesparte Altersguthaben ausreichen und desto geringer fallen die monatlichen Rentenzahlungen aus. Nimmt die durchschnittliche Lebenserwartung nicht mehr zu, müssten die Kalkulationen zum Umwandlungssatz, die entscheidende Grösse zur Berechnung der Rente, neu angestellt werden.

Etwas anders sieht der Sachverhalt bei der AHV aus: Hier ist vor allem der Altersquotient entscheidend, also das Verhältnis zwischen Erwerbstätigen und AHV-Beziehenden. Dieser Quotient wird sich in den kommenden Jahren tatsächlich weiter verschlechtern, solange die Babyboomer-Generation unter uns weilt. Die AHV wird deshalb über rund zwei Jahrzehnte mehr Mittel benötigen, um die Renten weiter auszahlen zu können.