Skip to main content
Strassenverkäufer*innen
«Mein Wunschberuf ist Maler»

Awet Teklay, 29, kann sich nach sechs Jahren in der Schweiz endlich aufs Deutschlernen und die Arbeitsuche konzentrieren.

«Ich bin aus meiner Heimat Eritrea geflüchtet und habe 2014 bei der Ankunft in Kreuzlingen einen Antrag auf Asyl gestellt. Die ersten Jahre in der Schweiz brauchten viel Geduld. Ich wurde dem Kanton Bern zugeteilt und lebte die ersten eineinhalb Jahre in einer unterirdischen Unterkunft im Länggass­Quartier in Bern, anschliessend noch ein Jahr in der unterirdischen Zivilschutzanlage der Gemeinde Ittigen. Das lange Warten und Herumsitzen war schwierig.

Als mein Asylantrag 2016 schliesslich positiv beantwortet wurde, und ich die Aufenthaltsbewilligung B bekam, konnte ich endlich mit der Arbeitsuche beginnen. Zum Glück klappte es schon bald mit dem Verkauf von Surprise. Seither ist mein Verkaufsort am Hirschengraben, bei der Bäckerei Glatz. Ich habe den Platz im­ mer behalten, obwohl ich drei Jahre in Moutier wohnte. Im Berner Jura bin ich per Zufall gelandet: Als mir gesagt wurde, ich könne aus der Flüchtlingsunterkunft ausziehen und mir etwas Eigenes suchen, war die Wohnung in Moutier die erste, für die ich eine Zusage erhielt. Dass man dort Französisch spricht, spielte für mich keine Rolle, weil ich nach wie vor von der Caritas in Bern betreut wurde. Sprachprobleme gab es erst, als diese Betreuung zu Ende ging und ich zum Sozialamt Moutier wechseln musste. Der Berater bemühte sich, mit mir Deutsch zu sprechen, aber die Briefe von der Gemeinde kamen trotzdem meistens auf Französisch. Ich bin froh, bekam ich in solchen Fällen Unterstützung im Surprise­Büro Bern.

Die Mitarbeiter*innen von Surprise halfen mir nicht nur bei Übersetzungen, sondern waren mir auch beim Schreiben von Gesuchen behilflich. Insgesamt waren drei Gesuche nötig, bis meine Freundin, unser Sohn und ich endlich zusammen im Kanton Bern wohnen durften. Meine Freundin stammt ebenfalls aus Eritrea, kennengelernt haben wir uns aber in der Schweiz. So wie ich dem Kanton Bern zugeteilt wurde, kam sie nach ihrer Ankunft in den Kanton Tessin. Ein Kantonswechsel ist für Geflüchtete nur unter bestimmten Voraussetzungen möglich. Also besuchten wir uns die ersten zwei Jahre immer wieder gegenseitig in Moutier und im Tessin. Als wir vor drei Jahren jedoch unser erstes Kind erwarteten, war klar, dass wir zusammen im Kanton Bern leben möchten. Dafür schrieben wir vor und nach der Geburt unseres Sohnes mehrere Gesuche. Alle wurden abgelehnt, weil wir nicht verheiratet waren, und anscheinend gab es auch Formfehler. Letztlich haben wir es mit der Hilfe des Sozialdienstes von Moutier und eines Anwalts dann doch noch geschafft.

Seit neun Monaten wohnen wir nun gemeinsam in Belp. Ich bin gerade in dieser Corona­Zeit speziell froh darüber, dass wir jetzt zusammen sind und nicht mehr immer diese lange Reise hin und her machen müssen. So kann ich mich endlich aufs Deutschlernen konzentrieren und eine feste Stelle suchen. Im Moment besuche ich einmal pro Woche einen Deutschkurs und mache ein Praktikum in einer Recycling­Werkstatt in Zollikofen, wo wir alte Geräte wie Computer auseinanderschrauben und die einzelnen Bestandteile richtig entsorgen. Die Arbeit gefällt mir sehr, ich arbeite gerne mit den Händen. Geschnuppert habe ich vor einiger Zeit auch schon als Küchenhilfe, aber momentan ist es schwierig, eine Stelle in der Gastronomie zu finden. Mit der Hilfe der Beratungsstelle TriiO und den Leuten vom Surprise­ Büro schreibe ich immer wieder Bewerbungen. Mein Wunschberuf wäre Maler. Ich habe in Eritrea schon längere Zeit als Maler gearbeitet, das möchte ich hier auch machen.»