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Sozialzahl
Arbeitslosigkeit in der Corona-Krise

Der Bundesrat hat im Lockdown mit einem weitreichenden Instrumentarium auf die drohende Arbeitslosigkeit reagiert. Mit der Ausweitung der Kurzarbeit konnte eine Massenarbeitslosigkeit kurzfristig verhindert werden. Trotzdem sind die Arbeitslosenzahlen in die Höhe geschnellt. Ende April waren über 153 000 Arbeitslose bei den RAV registriert, was einer Arbeitslosenquote von 3,3 Prozent entsprach (in Klammern sei angemerkt, dass mit diesen Zahlen nicht das ganze Ausmass der Erwerbslosigkeit erfasst ist, weil nicht alle, die erwerbslos sind, auch Anrecht auf Taggelder der Arbeitslosenversicherung haben).

Schaut man sich die Statistiken nach Wirtschaftszweigen an, wird deutlich, dass in der ersten Phase ab Mitte März 2020 vor allem Firmen im Binnenmarktsektor wie Landwirtschaft, Bau, Gastgewerbe und Detailhandel vom Lockdown betroffen waren. Durch das bundesrätliche Dekret wurden zahlreiche Geschäfte geschlossen. Selbst wenn dieser Schritt nicht gemacht worden wäre, hätten diese Betriebe schlechte Aussichten gehabt, weil mit der dringlichen Aufforderung, daheim zu bleiben, auch die Nachfrage zusammengebrochen ist.

Bis anhin ist der weltmarktorientierte Sektor, darunter die Pharmaindustrie, der Maschinenbau, die Touristikbranche und das Bankenwesen vergleichsweise glimpflich davongekommen. Die Unternehmen konnten auch im Lockdown weiter produzieren und Dienstleistungen erbringen. Allerdings mehren sich die Zeichen, dass immer mehr Aufträge storniert und geplante Investitionsvorhaben redimensioniert werden. Damit wird sichtbar, dass viele der exportorientierten Unternehmen in der Schweiz keine Endprodukte herstellen, sondern Vorprodukte, Bauteile und Serviceleistungen, die andere Unternehmen irgendwo auf der Welt benötigen.

Die beiden Sektoren der Schweizer Wirtschaft folgen der je eigenen Logik, welche die weitere Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt prägen werden. Im Binnenmarktsektor wird es darum gehen, wie rasch die Nachfrage trotz der vorgegebenen Schutzkonzepte wieder anziehen wird. Das hängt davon ab, wie schnell die restriktiven Auflagen gelockert werden und wie lange die Kundschaft noch Vorsicht walten lässt. Im weltmarktorientierten Sektor wird es hingegen darauf ankommen, wie schnell sich die Wirtschaft in den anderen Ländern erholen wird. Hier sind die Erwartungen der Branchenvertreter getrübt.

Die Auswirkungen der Corona-Krise auf den Arbeitsmarkt werden sich erst in den kommenden Monaten zeigen. Das SECO rechnet für das Jahr 2021 mit Arbeitslosenquoten, die zwischen vier und sechs Prozent liegen. In diesen Prognosen wird nur unzureichend abgebildet, dass der Lockdown auch die digitale Transformation der Schweiz und ihrer Wirtschaft massiv beschleunigt hat. Dieser technische Strukturwandel wird weitere Arbeitsplätze kosten, aber auch neue entstehen lassen. Nur werden jene, die in diesem Umbruch ihre Stelle verlieren, kaum die neuen Jobs machen können. Die strukturell bedingte Arbeitslosigkeit wird darum über die Corona-Krise hinaus stark zunehmen.