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Die Sozialzahl
Armut im Alter

Was genau ist gemeint, wenn immer wieder vor einer wachsenden Armut im Alter gewarnt wird?

Wie hoch ist die Armut im Alter? Orientiert man sich an der Einkommensarmut, so weisen die Rentner*innen von allen Altersgruppen mit 13,6 Prozent (2018) die höchste Armutsquote auf. Diese Zahl wird mit dem Hinweis auf vorhandene Vermögensbestände relativiert, von denen die Rentner*innenhaushalte zehren können. Wird das Vermögen in der Berechnung der Altersarmut berücksichtigt, so sinkt die Armutsquote markant und unterscheidet sich kaum mehr von den Armutsquoten anderer Altersgruppen. Was genau also ist gemeint, wenn immer wieder vor einer wachsenden Armut im Alter gewarnt wird?

Ein Blick in die Statistik der Ergänzungsleistungen zur AHV lässt aufhorchen. Die Ergänzungsleistungen im Alter haben zwei Aufgaben zu erfüllen. Im sogenannten dritten, agilen Alter, das oft mit der Altersspanne zwischen 65 und 79 Jahren assoziiert wird, gleichen sie zu tiefe Renteneinkommen aus. Die Ergänzungsleistungen garantieren so das soziale Existenzminimum im Alter. Im darauffolgenden, sogenannten vierten, fragilen Alter der über 80-Jährigen fangen sie ferner zu hohe Ausgaben auf, die meist mit Eintritten ins Pflegeheim einhergehen. In dieser Phase ersetzen sie die in der Schweiz fehlende Betreuungsund Pflegeversicherung.

Renteneinkommen spiegeln die Erwerbsbiografien von Pensionierten. Wer im Laufe seines Erwerbslebens wenig verdient hat, hat oft eine tiefere Rente als jene mit einer ungebrochenen Erwerbsbiografie. Diese Renteneinkommen können so niedrig sein, dass man Ergänzungsleistungen beanspruchen darf. Die entsprechende Quote der EL-Beziehenden im dritten Alter ist damit ein guter Armutsindikator, zumal beim Anspruch auf Ergänzungsleistungen nicht nur die Einkommens-, sondern auch die Vermögensverhältnisse berücksichtigt werden.

Schaut man sich die EL-Quoten der 65bis 79-Jährigen an, so sieht man zweierlei. Zum Ersten ist der Anteil der Rentner*innen, die in den ersten Jahren des Ruhestands schon Ergänzungsleistungen beziehen, in den letzten zehn Jahren angestiegen. 2008 bezogen 9,3 Prozent aller Rentner*innen zwischen 65 und 79 Jahren Ergänzungsleistungen, 2019 waren es 10,6 Prozent. Für sie reichen die Renten nicht mehr aus, um die Ausgaben für den täglichen Bedarf, die Miete und Krankenkasse zu decken.

Zum Zweiten unterscheiden sich die Verläufe der EL-Quoten zwischen den Geschlechtern deutlich. 2019 betrug die EL-Quote der Frauen zwischen 65 und 79 Jahren 11,9 Prozent, jene der Männer 9,1 Prozent. Neurentnerinnen sind also häufiger auf Ergänzungsleistungen angewiesen. Sie haben in ihrem Erwerbsleben weniger verdient, häufiger Teilzeit gearbeitet und mehr Unterbrüche in der Lohnarbeit erlebt. Die unbezahlte Care-Arbeit in den Familienhaushalten, die in bedeutend höherem Ausmass von Frauen geleistet wird, ist mit Ausnahme der Betreuungsgutschriften nicht rentenrelevant. Auch im Alter ist die Armut weiblich.