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Schenken
Beziehung, nicht Gegenleistung

Weihnachten steht vor der Tür. Für mich ist es eine Zeit, um nachzudenken. Eine stille, ruhige Zeit. Die Bäume und Blumen sind karg und im Winterschlaf. So wie viele Tiere.

Weihnachten steht vor der Tür. Für mich ist es eine Zeit, um nachzudenken. Eine stille, ruhige Zeit. Die Bäume und Blumen sind karg und im Winterschlaf. So wie viele Tiere.

Weihnachtsgeschenke empfinde ich als Heuchelei. Weihnachtslieder sind für mich abgeänderte Schunkellieder. Innere Zufriedenheit ist das grösste Geschenk. Kinder werden das ganze Jahr verwöhnt und verhätschelt, aber es sind ja nicht sie selbst, die schuld daran sind. Es sind die Erwachsenen, die mit einem tollen Geschenk gutmachen wollen, dass sonst etwas fehlt. Gefühle und Beziehung an Materiellem festzumachen, führt zu nichts Gutem. Sondern zu Unzufriedenheit. Zu Selbstbezogenheit und Beziehungslosigkeit.

Ich höre Menschen in der Adventszeit sagen: «Ich muss noch ein Geschenk für meine Nichte kaufen.» Was soll ich mit «müssen»? Ich will. Ich darf. Wenn man etwas muss, dann lässt man es lieber bleiben.

Mein Vater sagte immer zu mir: «Sei zufrieden mit dem, was du jetzt gerade hast. Nicht mit dem, was du nie bekommst.» Einmal fragte ich meine Mutter, ob sie bestimmte Pralinés mag, weil ich ihr welche schenken wollte. Sie sagte: «Ja, aber du musst mir keine mitbringen. Sonst muss ich dir auch etwas kaufen.» Ein gekauftes Geschenk zieht schnell den Gedanken von Leistung und Gegenleistung mit sich. Viele kaufen auch einfach etwas möglichst Teures, um gut dazustehen. Schenken sollte aber Beziehung sein. Das grösste Geschenk für meine Mutter ist, wenn ich sie besuche und sie spürt, dass sie ein wichtiger Mensch ist für mich. Eine Umarmung ist ein Geschenk.

Ich habe nicht grundsätzlich etwas gegen das Schenken. Es kann auch bedeuten, dass man sich in die Lage des Gegenübers versetzt. Dass man spürt, was jemand gerne hätte. Schenken verlangt Einfühlungsvermögen und Aufmerksamkeit. Wenn ich mit meiner Freundin an einem Schaufenster vorbeigehe und sehe, dass sie Freude an einer bestimmten Handtasche hätte, dann kann es gut sein, dass ich mich darum bemühe, sie zu kaufen. Ich nehme meine Freundin wahr, ich höre zu und weiss, dass ihr diese Tasche etwas bedeuten würde.

Für mich ist das grösste Geschenk, dass ich so sein darf, wie ich bin. Kein Hochmut. Bin meistens tiefer gefallen, als ich wollte. Ende Sense. Gib mir äs Velo, dä gib i dir ä Volvo.