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Die Sozialzahl
Bildung für alle

Das zentrale bildungspolitische Ziel für die Schweiz lautet: 95 Prozent aller 25-Jährigen verfügen über einen Abschluss auf der Sekundarstufe II. Das heisst, sie haben eine Berufslehre, ein Gymnasium oder eine Fachmittelschule abgeschlossen. Das Eidgenössische Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung, die Schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren sowie die Organisationen der Arbeitswelt legten sich bereits 2006 auf dieses Ziel fest, das sie 2011 und 2015 nochmals bestätigten. Wer über einen Abschluss auf Sekundarstufe II verfügt, hat Zugang zu den Ausbildungen auf der Tertiärstufe (Studiengänge an Hochschulen oder Universitäten) und gleichzeitig zum Arbeitsmarkt. Alle anderen ohne einen solchen Abschluss werden sehr viel häufiger in prekären Arbeitsverhältnissen angestellt, tragen ein überdurchschnittlich hohes Arbeitslosenrisiko und sind nur allzu oft auf Sozialhilfe angewiesen. 

Hat die Schweiz inzwischen das postulierte bildungspolitische Ziel erreicht? Für das Jahr 2015 liegt die Quote der Erstabschlüsse auf der Sekundarstufe II bis zum 25. Altersjahr bei 90,9 Prozent, was rund 77 000 zertifizierten Personen entspricht. 65,2 Prozent der jungen Erwachsenen verfügen über eine berufliche Grundausbildung. Die anderen 25,7 Prozent haben einen weiterführenden allgemeinbildenden Abschluss gemacht, die meisten von ihnen (20,5 Prozent) eine gymnasiale Maturität. Die Schweizer Bildungspolitik hat ihr zentrales Ziel also noch nicht erreicht. Zudem sind deutliche Unterschiede nach Geschlecht, Nationalität und Wohnkanton erkennbar. Die Quote der jungen Frauen beträgt 92,9 Prozent, jene der Männer liegt bei 88,9 Prozent. Ins Auge sticht, dass junge Frauen deutlich häufiger über einen allgemeinbildenden Abschluss verfügen als ihre gleichaltrigen Kollegen. Die Differenz beträgt rund 12 Prozentpunkte. 

Nach Nationalität können drei Gruppen unterschieden werden. Die in der Schweiz geborenen Schweizerinnen und Schweizer erreichen eine Quote von 94,0 Prozent und liegen damit sehr nahe am vorgegebenen Ziel. Die in der Schweiz geborenen Ausländerinnen und Ausländer weisen eine Quote von 86,2 Prozent aus. Die meisten von ihnen absolvieren eine berufliche Grundausbildung. Für im Ausland geborene Ausländerinnen und Ausländer beträgt der Anteil jener mit einer Ausbildung auf Sekundarstufe II hingegen nur 72,5 Prozent. 

Schaut man auf die Kantone, bewegt sich die Quote der Erstabschlüsse auf der Sekundarstufe II zwischen 83,1 Prozent (GE) und 98,6 Prozent (AI). Sechs Kantone weisen Werte auf, die über der bildungspolitischen Vorgabe liegen (AI, UR, NW, GL, SH, SZ), sechs Kantone liegen zum Teil deutlich unter 90 Prozent (GE, VD, BS, NE, TI, VS). Grosse Differenzen sind auch bei den Anteilen für die berufliche Grundbildung und die Allgemeinbildung zu beobachten. Die Gründe lassen sich kaum festmachen. Die Quote wird wesentlich durch die Zusammensetzung der Wohnbevölkerung, durch die unterschiedliche Ausformung der kantonalen Bildungssysteme und die vorhandene Wirtschaftsstruktur geprägt. 

Die bildungspolitische Herausforderung wird mit diesen Zahlen deutlich. Der Fokus muss in erster Priorität auf die jungen Erwachsenen mit Migrationshintergrund gerichtet werden. In zweiter Priorität gilt es, das Augenmerk den geschlechtsspezifischen Differenzen zu schenken. Beide Forderungen sind keine News für die Bildungspolitik. Die neuen Zahlen des Bundesamtes für Statistik unterstreichen aber in aller Deutlichkeit deren Dringlichkeit.