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Care-Arbeit für Angehörige

Immer mehr Menschen in der Schweiz werden immer älter. Diese «Gesellschaft des langen Lebens» stellt in ihrer Dynamik zwei grosse gesellschaftliche Herausforderungen dar: Zum einen geht es um die Sicherung der materiellen Altersvorsorge, zum anderen wächst der Bedarf an Betreuung und Pflege. Seit langem wird ein Mangel an Pflegepersonal beklagt, der sich in den nächsten Jahren weiter zuspitzen wird. Wenig Beachtung findet bis heute die Betreuung älterer Menschen. Dabei wird sie von vielen Betroffenen früher benötigt als eine medizinische Pflege.

Diese Betreuung wird vor allem von Angehörigen geleistet. Eine erste gesamtschweizerische Umfrage zeigt, dass rund 543 000 Personen ab 16 Jahren ihnen nahestehende Menschen betreuen, was einem Anteil von 7,6 Prozent der Gesamtbevölkerung entspricht. Am stärksten engagieren sich die 50- bis 64-Jährigen, in dieser Altersgruppe steigt der Anteil auf 12,2 Prozent. Überproportional hoch ist auch der Anteil der Rentnerinnen und Rentner mit 8,6 Prozent. Hier geht es um die Unterstützung der Lebenspartnerinnen und Lebenspartner.

Betreuung kann vieles bedeuten. Am häufigsten gaben die Befragten an, dass sie finanzielle und administrative Aufgaben für ihre Angehörigen übernehmen (38 Prozent), gefolgt von Koordinations und Planungsarbeiten (23 Prozent), Hilfe im Alltag und Haushalt (23 Prozent) sowie emotionale und soziale Unterstützung der Angehörigen (21 Prozent). Dabei werden in vielen Betreuungsverhältnissen verschiedene Aufgaben gleichzeitig wahrgenommen, weshalb Mehrfachnennungen möglich waren.

Das überraschendste Ergebnis der Befragung ist der geringe Unterschied zwischen den Geschlechtern. Der Anteil der Frauen an allen, die Angehörige betreuen, beträgt «nur» 54 Prozent. Zwar betreuen Frauen ihre Angehörige mit einer etwas höheren zeitlichen Intensität als Männer. Doch selbst bei den verschiedenen Aufgaben liegen die Anteile von betreuenden Frauen und Männern erstaunlich nahe beieinander. So bieten 50 Prozent der Männer und 55,5 Prozent der Frauen ihren Angehörigen häufig oder fast immer emotionale und soziale Unterstützung. Finanzielle und administrative Hilfe leisten 51 Prozent der Männer und 52,1 Prozent der Frauen.

Die Betreuung von Angehörigen kann zu neuen Erfahrungen führen, stolz und zufrieden machen. Doch für viele ist sie auch eine Belastung. Die Betreuenden schätzen ihre Gesundheit ein wenig schlechter ein als die durchschnittliche Bevölkerung. Weil viele ihr Arbeitspensum reduzieren, kommen finanzielle Sorgen dazu. Zudem fehlt Zeit für die eigene Familie und für Freunde.

Die Betreuung älterer Menschen ist ohne Angehörige nicht denkbar. Heute nicht und auch morgen nicht. Deshalb gebührt diesem Engagement dringend mehr gesellschaftliche Anerkennung zu widmen. Verbales Schulterklopfen reicht da nicht. Wir sollten uns über eine bessere Vergütung dieser unentgeltlichen Care-Arbeit Gedanken machen.