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Verkäufer*innenkolumne
Die Welt der Bücher

KARIN PACOZZI, 55, verkauft Surprise in Zug. Zurzeit liest sie ein Buch über Buddhismus, das sie schon lange interessiert hat. Die Bibel hat sie nur teilweise gelesen und religiös im institutionellen Sinn ist sie nicht. Aber sie findet: Letzten Endes geht es in vielen Büchern um den Kern des Daseins.

Sobald ich lesen konnte, verging bei mir fast keine Woche, in der ich nicht mindestens ein Buch las. Angefangen mit «Black Beauty», «Die rote Zora», «Tom Sawyer und Huckleberry Finn», etliche andere, bis hin zu Federica de Cescos Büchern. Sie traf ich einmal sogar persönlich, als sie in unserer Schule vorgelesen hat.

Bald aber fing ich mit Hermann Hesse an, mit Jeremias Gotthelf, Dürrenmatt, Brecht und Goethe (am Anfang vor allem seine Gedichte), Rainer Maria Rilke, weiter auch Hemingway, Jack London, Tolstoi, später Edgar Allan Poe, bis hin zu Molière, Camus, Saint-Exupéry, Boris Vian und und und. Teils in Originalsprache, teils auf Deutsch. Ich war eine der wenigen in meiner Klasse, die auch all die Bücher las, die Pflichtlektüre waren – statt nur die Zusammenfassungen aus Kindlers Literaturlexikon, wie es viele andere getan haben. Für mich waren es Werke, in denen ganze Lebensweisheiten in gute Geschichten verpackt und begnadet erzählt wurden.

Ich las und las und las ... Immer, wenn mir mein Dasein zu schwierig erschien, konnte ich mich in die Bücher flüchten. In und mit ihnen leben. Ein besseres Zuhause finden, meine Traurigkeit vergessen. Und dümmer haben mich diese vielen Bücher auch nicht gemacht. Zum Glück gingen sie mir nie aus. Je dicker eins war, desto besser für mich.

Neben all dieser Weltliteratur habe ich auch unzählige andere Romane gelesen. Viele Bücher wurden später auch verfilmt. Zum Beispiel «Herr der Ringe», ich las es, als ich sechzehn war – also vor fast vierzig Jahren. So kann ich auch heute noch fast bei jeder Literaturverfilmung, die mir empfohlen wird, antworten: Da kenne ich die Buchvorlage. In den meisten Fällen sehe ich mir dann die Verfilmung nicht an – und wenn doch, ist es meistens eine Enttäuschung. Denn in meinem Kopf habe ich bereits eine eigene Vorstellungswelt, eine bunte Geschichte, aus der man mindestens drei weitere Filme machen könnte.

Lesen war für mich immer, auch heute noch, Erholung, bei der ich so nebenbei vieles lernen kann. Und ich bekomme immer wieder Dinge bestätigt, die ich selbst schon erlebt und erfahren habe.

Ich könnte mal, einfach und so für mich, eine Liste meiner gelesenen Bücher beginnen. So geht es mir durch den Kopf, in dem doch all die Bücher aufgehoben sind.

Die Texte für diese Kolumne werden in Workshops unter der Leitung von Surprise und Stephan Pörtner erarbeitet. Die Illustration zur Kolumne entsteht in Zusammenarbeit mit der Hochschule Luzern – Design und Kunst, Studienrichtung Illustration.