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Sozialzahl
Die AHV und die Finanzmärkte

Die AHV basiert auf dem Umlageverfahren. Was die erste Säule der Altersvorsorge an Einnahmen erzielt, wird sofort wieder als Renten und andere Unterstützungsleistungen ausgezahlt. Für das Jahr 2018 liegen aktuelle Zahlen zur finanziellen Lage der AHV vor: Die Einnahmen betrugen 41 835 Millionen Franken, die Ausgaben 44 055 Millionen Franken. Das Betriebsergebnis verzeichnete ein Defizit von 2220 Millionen Franken. Wie kam dieses Defizit zustande? Und wie wurde es ausgeglichen?

Beginnen wir mit der zweiten Frage. Zwischen den Einnahmen und Ausgaben der AHV sorgt der AHV-Ausgleichsfonds für die Liquidität und den Ausgleich der Schwankungen zwischen den Finanzflüssen. Verwaltet wird dieser Fonds von compenswiss, einer öffentlich-rechtlichen Anstalt des Bundes. Gemäss AHV-Gesetz sollte der AHV-Fonds eine Reserve in Höhe einer Jahresausgabe haben. 2018 lagen dort aber nur 43 535 Millionen Franken, was 98,8 Prozent der Jahresausgaben entspricht. Damit fiel die Kapitalreserve der AHV das erste Mal seit 2005 wieder unter diese rechtlich gesetzte Grenze.

Und damit zur ersten Frage. Das Defizit der AHV-Rechnung für das Jahr 2018 hat wesentlich mit einer Fehleinschätzung der Entwicklung auf den Finanzmärkten zu tun. Das Kapital, welches im AHV-Fonds liegt, wird nicht einfach gebunkert, sondern angelegt. Für das Jahr 2018 erwartete compenswiss gemäss Budget einen positiven Ertrag von rund einer Milliarde Franken – heraus kam aber ein Anlageverlust von -1181 Millionen Franken. Die Differenz zwischen budgetiertem Ertrag und eingefahrenem Verlust belief sich also auf über 2 Milliarden Franken.

Die Schwankungen beim Anlageergebnis des AHV-Fonds sind gross und machen von Jahr zu Jahr enorme Sprünge. So belief sich das Anlageergebnis 2015 auf 20 Millionen, ein Jahr später erreichte es einen Wert von 1205 Millionen, wieder ein Jahr später sogar einen Ertrag von 2125 Millionen Franken, bevor dann 2018 der erwähnte Absturz erfolgte. Schätzungen für 2019 zeigen nun wieder einen positiven Wert an, der sogar den AHV-Fonds über die vorgegebene Limite von 100 Prozent der Jahresausgabe heben könnte.

Inzwischen haben sich die finanziellen Aussichten bei der ersten Säule der Altersvorsorge für die kommenden Jahre etwas entspannt. Der AHV fliessen nach dem positiven Ausgang der Abstimmung 2019 über die STAF (Steuerreform und AHV-Finanzierung) mehr Mittel zu. Der Beitragssatz der Arbeitgebenden und Arbeitnehmenden wird um je 0,15 Prozentpunkte erhöht. Das Demografieprozent der Mehrwertsteuer, das seit 1999 erhoben wird, wird nun vollständig der AHV zugewiesen – bisher flossen lediglich 83 Prozent. Ferner wird der Bundesbeitrag an die AHV von 19,55 auf 20,2 Prozent der AHV-Ausgaben erhöht. Damit kann die drohende Finanzierungslücke bei der AHV für die kommende Dekade markant verringert werden.

Doch die AHV ist damit noch nicht aus dem Schneider. Bereits jetzt wird über eine weitere Reform der ersten Säule diskutiert. Im Zentrum steht die Angleichung des Rentenalters der Frauen an jenes der Männer. Darüber wird noch heftig zu streiten sein.