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Die Sozialzahl
Ein Job ist nicht genug

Im Jahr 2017 gingen 7,6 Prozent der Erwerbstätigen in der Schweiz mehr als einer Beschäftigung nach. Vor 25 Jahren lag die Quote noch bei 4, im Jahr 2000 bei 6 Prozent. Die meisten der rund 352000 Mehrfacherwerbstätigen haben eine Haupt- erwerbs- und eine Nebenerwerbsstelle. 41 000 Arbeitskräfte haben drei und 14 000 vier und mehr Beschäftigungen.

Interessant ist, dass sich die Muster der Mehrfachbeschäftigung der Frauen deutlich von jenen der Männer unterscheiden. Der Anteil der Frauen, die an mehr als einer Stelle arbeiten, ist mit 10 Prozent fast doppelt so hoch wie jener der Männer,
bei denen die Quote bei 5,5 Prozent liegt. Bei den Frauen spielt das Bildungsniveau kaum eine Rolle. Bei den Männern zeigt sich hingegen ein steigender Anteil, je höher der Bildungsabschluss ist. Männer mit einer Grundschulausbildung arbeiten nur zu rund 3 Prozent als Mehrfachbeschäftige, Männer mit einem Hochschul- oder universitären Abschluss hingegen zu rund 7 Prozent an mehr als einer Stelle. Ungleich ist auch der zeitliche Aufwand. Mehrfacherwerbstätige Frauen arbeiten rund 30 Stunden in der Woche, Männer hingegen fast 43 Stunden. Damit wenden die Frauen praktisch gleich viel Zeit für ihre Mehrfacherwerbstätigkeit auf wie Frauen mit einer einzigen Beschäftigung. Anders bei den Männern. Hier arbeiten mehrfacherwerbstätige Männer pro Woche rund drei Stunden mehr als Männer mit einer Beschäftigung. Die wöchentliche Normalarbeitszeit im Nebenerwerb entspricht im Durchschnitt knapp einer Viertelstelle.

Die Mehrfacherwerbstätigkeit findet sich in allen Branchen. Dabei wird die Nebenbeschäftigung in drei Viertel der Fälle in einer anderen Branche als jener des Haupterwerbs ausgeübt. Allerdings dominieren bei der Nebenbeschäftigung bestimmte Wirtschaftszweige: Allein auf die fünf Branchen «Erziehung und Unterricht», «Gesundheits- und Sozialwesen», «private Haushalte», «Handel, Reparaturgewerbe» sowie «Erbringung von sonstigen Dienstleistungen» konzentriert sich die Hälfte aller zusätzlichen Erwerbstätigkeiten. Diese Branchen weisen auch einen hohen Anteil von Teilzeitstellen auf.

Die Beweggründe für eine Mehrfacherwerbstätigkeit sind nicht leicht zu eruieren. Nur ein Zehntel dieser Erwerbstätigen gibt an, mehrfacherwerbstätig zu sein, weil keine Vollzeitstelle gefunden werden konnte. Mehr als ein Viertel dieser Gruppe würde gerne noch mehr arbeiten. Hier steht denn auch der Wunsch nach einem höheren Lohneinkommen im Vordergrund. Oft kommt es auch zu einem Mix von Anstellung und Selbständigkeit. Rund 8 Prozent der Mehrfacherwerbstätigen sind im Haupterwerb selbständig, fast ein Fünftel im Nebenerwerb. Die häufige Kombination von Selbständigkeit und Anstellung weist darauf hin, dass manche ein sicheres «Grundeinkommen» anstreben, um daneben ein eigenes Geschäft aufbauen zu können. Frauen geben zudem an, dass sie aus familiären Gründen keine Vollzeitbeschäftigung suchen. Sie ziehen offenbar die Flexibilität einer Mehrfacherwerbstätigkeit einer 100-Prozent-Anstellung vor.

Die Mehrfacherwerbstätigkeit ist unter anderem Ausdruck einer Dienstleistungsökonomie, die durch ein hohes Mass an Teilzeitstellen geprägt ist. Dabei arbeiten Mehrfachbeschäftigte häufig in typischen Tieflohnbranchen. Darum gilt für zahlreiche Mehrfacherwerbstätige: Ein Job ist nicht genug.