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Die Sozialzahl
Einsame Fälle

Wer bezieht in der Schweiz Sozialhilfe? Diese Frage kann man in unterschiedlichsten Varianten beantworten. Eine orientiert sich an Falltypen, womit verschiedene soziale Lebensformen gemeint sind: Ein-Personen-Haushalte, Alleinerziehende, Paare mit Kindern und Paare ohne Kinder. In der Jahresstatistik der Sozialhilfe 2014 sind knapp 40 Prozent der unterstützten Fälle Einpersonenhaushalte. Die nächstgrösste Gruppe sind mit 29 Prozent die Alleinerziehenden. Weitere 25 Prozent der Sozialhilfefälle sind Paare mit Kindern und rund 6 Prozent der Fälle sind Paare ohne Kinder.

Zwei Dinge sind an dieser Momentaufnahme bemerkenswert: Blickt man zehn Jahre zurück, so zeigt sich eine deutliche Entwicklung bei den Einpersonenfällen und den Alleinerziehenden. Zwischen 2005 und 2014 nimmt die Zahl der unterstützten Einpersonenfälle um mehr als ein Drittel, jene der Alleinerziehenden um rund 15 Prozent zu, während jene der Paare mit Kindern nur ein Wachstum von 5 Prozent verzeichnet. Die Zahl der unterstützen Paare ohne Kinder bleibt nahezu konstant. Heute beläuft sich die absolute Zahl der Einpersonenfälle auf über 95 000, jene der Alleinerziehenden auf rund 27000.

Das zweite, noch erstaunlichere Momentum zeigt sich, wenn man zwischen schweizerischen und ausländischen Falltypen unterscheidet. Das nationale Muster fällt sehr unterschiedlich aus. Unter den Schweizer Fällen dominieren die Einpersonenhaushalte mit einem Anteil von rund 48 Prozent das Bild. Paare mit Kindern erreichen nur einen Anteil von knapp 17 Prozent. Umgekehrt sieht es bei den ausländi-schen Sozialhilfefällen aus. Hier weisen die Paare mit Kindern mit etwas mehr als 34 Prozent den höchsten Anteil aus, gefolgt von den Einpersonenhaushalten mit 31 Prozent.

Obwohl in der sozialpolitischen Debatte zu Recht sehr viel von den armutsbetroffenen Familien und Alleinerziehenden die Rede ist, sind die Sozialarbeitenden in ihrer täglichen Arbeit also sehr viel öfter mit alleinlebenden Personen konfrontiert. Das Armutsrisiko hat für diese Menschen deutlich zugenommen. Zu zwei Drittel sind es Männer, oft geschieden, arbeitslos, gesundheitlich eingeschränkt und mit geringen Aussichten auf eine nachhaltige Verbesserung ihrer Situation. Sie stellen eine besondere Herausforderung in der Sozialberatung dar, weil die Problemlagen dieser Menschen oft sehr komplex sind. Eine rasche Ablösung ist darum selten von Dauer. Wenn die prekäre Lebenslage nicht stabilisiert werden kann, kommen die Betroffenen immer wieder zum Sozialdienst.

Das Armutsrisiko «Kinder haben» ist natürlich trotz dem hohen Gewicht der Einpersonenfälle in der Sozialhilfe nicht vom Tisch. Unter den ausländischen Fällen beträgt der Anteil von sozialen Lebensformen mit Kindern über 60 Prozent. Auch hier braucht es sehr spezifische Hilfsangebote, um eine drohende soziale Vererbung der Armut zu vermeiden. Das Hauptaugenmerk sollte auch in diesen Fällen nicht auf eine rasche Einstellung der Unterstützungsleistungen gelegt werden, sondern auf eine gute Integration der Kinder und Jugendlichen in Schule und Berufsausbildung.