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Die Sozialzahl
Frauen an die Erwerbsarbeit

Vor einigen Jahren hat der Bundesrat die Fachkräfte-Initiative lanciert und wenig später mit einem Katalog von «Massnahmen zur Förderung des inländischen Arbeitskräftepotentials» nachgelegt. Damit will er dem demografischen und wirtschaftlichen Wandel begegnen. Weil die heimische Erwerbsbevölkerung in den nächsten Jahren kaum noch wachsen wird, gilt es, die hiesigen Erwerbstätigen besser zu qualifizieren und stärker in den Arbeitsmarkt einzubinden. Bei den jungen Erwachsenen sollen künftig 95 Prozent einen qualifizierten Berufsabschluss vorweisen können. Zudem soll die ältere Erwerbsbevölkerung länger im Arbeitsmarkt bleiben. Dies wird durch eine Erhöhung des Rentenalters und materielle Vorteile für die Fortsetzung der Erwerbsarbeit über die Pensionierung hinaus angestrebt.

Das grösste Potenzial wird allerdings bei den Frauen geortet. Hier geht es nicht nur um eine bessere Qualifizierung von jungen Frauen und um eine stärkere Erwerbsbeteiligung, sondern vor allem um einen höheren Beschäftigungsgrad. In einer neuen Publikation zeigt das Bundesamt für Statistik, wie sich die Erwerbstätigkeit der Frauen in der Schweiz zwischen 2010 und 2019 entwickelt hat. Erstens hat die Qualifizierung der jungen Frauen deutlich zugenommen. Der Anteil der Frauen mit Tertiärabschluss nähert sich jenem der Männer an; heute sind junge Frauen deutlich besser auf die Arbeitswelt vorbereitet als ihre Mütter und Grossmütter, wie der Vergleich der verschiedenen Alterskohorten zeigt. Zweitens nimmt die Erwerbsbeteiligung weiter zu. Die Erwerbstätigenquote aller Frauen zwischen 15 und 64 Jahren in der Schweiz liegtnun bei rund 76 Prozent und ist damit nach Island die höchste im europäischen Raum. Und drittens hat sich der durchschnittliche Beschäftigungsgrad in den letzten zehn Jahren kaum verändert; er liegt heute bei 68 Prozent und damit gerade mal ein Prozentpunkt höher als 2010.

Für den Bundesrat sind diese Zwischenergebnisse ambivalenter Natur. In den nächsten Jahren wird es eine wachsende Zahl sehr gut ausgebildeter Frauen geben, die auch in der Familienphase berufstätig bleiben. Diese werden immer seltener in Tieflohnbranchen wie dem Gastgewerbe oder dem Detailhandel arbeiten, wo es besonders häufig Teilzeitjobs mit tiefem Beschäftigungsgrad gibt. Trotzdem zeichnet sich keine Tendenz zu einer markanten Erhöhung der Stellenprozente bei den Frauen ab. Und das wird so bleiben, bis sich die Partizipation der Männer am Arbeitsmarkt verändert und die Aufgabenteilung in der Familie zwischen den Paaren ausgleicht. Immerhin hat der Anteil der Männer, die Vollzeitstellen bekleiden, um rund vier Prozentpunkte abgenommen, während der Anteil jener, die tiefere Pensen haben, leicht angestiegen ist. Ob damit ein stärkeres Engagement der Männer im Haushalt und bei der Betreuung der Kinder sowie älterer Angehörigen einhergeht, muss vorerst offenbleiben.