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Die Schweiz schreibt
Gegen Sexismus im Literaturbetrieb

Das Autorinnenkollektiv RAUF engagiert sich für mehr Sichtbarkeit von Frauen in der Literaturszene.

Im Literaturbetrieb herrscht ein Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern. Dieses äussert sich zum Beispiel darin, dass Bücher (oft sind sie von Männern geschrieben), mehrheitlich von Männern besprochen werden. Oder dass Frauen gerne unterstellt wird, sie hätten eine gefühlsbetontere Schreibe. Jüngere Autorinnen werden in den Medien oft sexuell anziehend inszeniert. Und auf den Listen der bedeutendsten Bücher finden sich nur wenige Frauennamen. Um darauf hinzuweisen, hat das Autorinnenkollektiv RAUF am Frauenstreiktag eine solche Liste öffentlich vorgelesen. «Die Namen der Männer haben wir geflüstert, jene der Frauen herausgeschrien. Da es nicht viele Frauennamen gab, war unsere Aktion mehrheitlich so leise, dass ein Techniker, der unseren Ansatz nicht verstanden hatte, unsere Mikrofone neu einstellen wollte. Er meinte, man könne uns kaum hören, wir hätten zu wenig Bass in der Stimme», sagt Schriftstellerin Anaïs Meier vom Kollektiv RAUF, das als flexibler Zusammenschluss von gleichgesinnten und gleichberechtigten Frauen wahrgenommen werden will und sich seit 2018 an Aktionen und Veranstaltungen für mehr Sichtbarkeit von Autorinnen engagiert. «Die meisten von uns haben im Schreiballtag schon sexistische Bemerkungen gehört: von Dozenten, Kollegen, Journalisten oder exponiert auf der Bühne», sagt Anaïs Meier. Eine Autorin habe zum Beispiel erzählt, dass ihr, nachdem sie Mutter geworden war, gesagt wurde, sie könne ja jetzt Kinderliteratur schreiben. «Einem Mann würde man so etwas wohl kaum sagen», so Meier. Ein anderes Beispiel sei die Anfrage eines befreundeten Autors gewesen, der den Auftrag hatte, eine Anthologie mit Beiträgen von Schweizer Autorinnen und Autoren zu erstellen. «Ihm war aufgefallen, dass die von ihm angefragten Autorinnen alle unter 40 sind. Wir finden, da ist etwas faul, wenn man nur als junge Autorin interessant ist.»

RAUF wird am Literaturfestival Buch Basel präsent sein. Und für 2020 ist ein Symposium zum Thema Sichtbarkeit von Frauen in der Literatur geplant.