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Die Sozialzahl
Papierlos integriert

Sans-Papiers sind Menschen, die ohne Aufenthaltsbewilligung in der Schweiz leben und oft auch arbeiten. Eine neue Studie im Auftrag des Staatssekretariats für Migration (SEM) kommt zum Schluss, dass schätzungsweise zwischen 58000 und 105000 Sans-Papiers in unserem Land anwesend sind. Knapp zwei Drittel von ihnen kamen als Touristen oder ohne gültige Reisedokumente in die Schweiz. Je ein Fünftel reiste nach einer Nichterneuerung der Aufenthaltsbewilligung oder nach einem negativen Asylentscheid nicht aus. Viele von ihnen sind schon sehr lange hier, ohne einen rechtlichen Aufenthaltsstatus zu bekommen. Die befragten Expertinnen und Experten gehen davon aus, dass rund ein Drittel der SansPapiers fünf bis zehn Jahre, rund ein Fünftel sogar schon mehr als zehn Jahre in der Schweiz leben.

Die grösste Gruppe, rund 40 Prozent, stammt aus Zentral- und Südamerika. Ein Viertel kommt aus europäischen Ländern ausserhalb von EU und EFTA. Ein weiteres Fünftel kommt aus Afrika, ein Zehntel aus Asien. Die meisten von ihnen sind alleine in der Schweiz. Das heisst aber nicht, dass sie nicht eine Familie im Herkunftsland haben. Der Anteil der Frauen und Männer ist etwa gleich gross.

Sans-Papiers leben in ständiger Angst, aufgegriffen und ausgewiesen zu werden. Besonders kritisch wird es, wenn sie eine Wohnung finden müssen, eine medizinische Behandlung benötigen oder die Kinder eingeschult werden sollten. Weil Sans-Papiers keinen Anspruch auf materielle Hilfe vom Staat haben, sind sie gezwungen, unter teilweise widrigsten Umständen einer Erwerbsarbeit nachzugehen. Die Hälfte der erwachsenen Sans-Papiers arbeitet in privaten Haushalten. Vielen Familien ist gar nicht bewusst, in welcher Situation sich ihre Angestellte befindet. Auch in der Bauwirtschaft und in der Gastronomie finden sich Arbeitgeber, die Sans-Papiers anstellen. In der Landwirtschaft hingegen sind heute seltener Sans-Papiers anzutreffen – sie wurden durch Arbeitsmigranten aus Portugal ersetzt.

Oft handelt es sich um prekäre Arbeitsverhältnisse. Die Löhne sind tief, die Arbeitszeiten unregelmässig, die Arbeitsplatzsicherheit gering. Trotzdem können sich Sans-Papiers so ihre materielle Existenz sichern. Sie sind gerade durch ihren Status sehr viel besser im Arbeitsmarkt integriert als andere soziale Gruppen.

Kinder von Sans-Papiers dürfen die Schule besuchen. Das Recht auf Bildung geht dem Aufenthaltsstatus vor. Man kann sich aber vorstellen, wie belastend diese Situation für alle Beteiligten ist. Seit einigen Jahren haben jugendliche Sans-Papiers auch die Möglichkeit, eine Berufslehre zu absolvieren. Doch diese Möglichkeit wird selten genutzt.

Die Schweiz kennt, im Gegensatz zu anderen Ländern, keine regelmässige Amnestie für Sans-Papiers. Es bleibt nur der Weg über eine Härtefallbewilligung, die jedoch selten gewährt wird. Schon der Antrag ist mit einem grossen Risiko verbunden, weil kaum ein Kanton eine anonymisierte Eingabe berücksichtigt und die Sans-Papiers sich dazu zu erkennen geben müssen. Es braucht also andere Möglichkeiten der Regularisierung des Aufenthalts in der Schweiz. Die Anlaufstellen für Sans-Papiers haben wiederholt Vorschläge formuliert. Vor allem jenen Sans-Papiers, die schon sehr lange in der Schweiz leben, und ihren Kindern sollte der Weg in die Normalität erleichtert werden.