Skip to main content
Tour de Suisse
Pörtner in Horgen

Hier wird das Abstandhalten grossgeschrieben, auf grosse Plakate geschrieben. Eingang und Ausgang des Ladens und des dazugehörigen Restaurants sind getrennt. Absperrgitter leiten das Publikum. Es ist ein bisschen wie am Flughafen, und das ist eigentlich etwas Schönes, wenn Reisen schon nicht möglich sind, kommt so immerhin ein wenig Ferienstimmung auf. Trotz der gross angeschriebenen Ein- und Ausgänge kommt es immer wieder zu Irrungen und Wirrungen, weil aus Versehen zum Eingang Restaurant anstatt zum Eingang Laden eingefädelt wird. Menschen kehren schwungvoll um, nach zwei Schritten ihren Irrtum bemerkend. Es sieht aus, als würden sie gegen eine unsichtbare, weiche Wand prallen. Im Restaurant wurde das Mobiliar, das aufgrund der Abstandsregeln überzählig ist, in die Kinderecke gestellt, die zurzeit auch nicht benutzt werden kann.

Für die neben dem Gratiszeitungskasten gestapelten Säcke mit Gartenerde interessiert sich niemand. Erscheinen eigentlich noch Gratiszeitungen? Oder wieder? Eine Frau scheint es auch nicht so genau zu wissen, schaut stirnrunzelnd in den Kasten und entfernt sich wieder. Einige Zeit später kommt eine andere, greift beherzt hinein und zieht ein Exemplar hervor. Es gibt sie also noch, die Gratiszeitung, nun aber ist der Kasten wirklich leer.

Wer den Labyrinthweg zum Restaurant erfolgreich gemeistert hat, wird unvermittelt von einer bockigen, automatischen Türöffnung aufgehalten, die verstockt reagiert, dabei hat es im ausgedünnten Lokal noch genug Platz.

Ein Gruppetto Rennvelofahrer zieht vorbei, fünf Mann, so viel wie erlaubt. Velofahren erlebt einen Boom, bei der Kartonsammlung vor ein paar Tagen waren auffällig viele Velokartons zu sehen. Sie sind auch schwer zu übersehen, da noch grösser als Fernsehkartons. Im Internet bestellt, in der Wohnung zusammengeschraubt. Es herrscht denn auch ideales Velowetter. Die Lenkerin eines Elektrovelos klappt beim Parkieren ihre orangefarbige Distanzkelle ein. Auch die gibt es noch. Eine Zeitlang waren sie an fast jedem Velo zu sehen, bis sie abbrachen, zerbröselten und schliesslich wieder verschwanden, aber eben nur fast. Oder sie erleben ein Revival.

Zum ersten Mal bildet sich vor dem Ladeneingang eine Schlange. Die Kundschaft ist diszipliniert und rückt von einem gelben Streifen zum nächsten vor. Offenbar gibt es Zeiten, zu denen noch viel mehr Leute anstehen, die gelben Streifen sind das ganze Trottoir entlang zu sehen, bis sie hinter der Strassenecke verschwinden. Einige halten auch den doppelten Abstand ein, sicher ist sicher.

Im Restaurant wissen die Leute nicht wohin, werden angewiesen, den Parcours in der vorgeschriebenen Richtung zu absolvieren, verlieren das Interesse und kehren wieder um, gehen zum Eingang hinaus. Lieber hungrig oder unterkoffeiniert bleiben als den Individualismus aufgeben und den vorgeschriebenen Weg einschlagen. Für eingefleischte Individualisten, die in Massenverpflegungsgaststätten einkehren wollen, bleiben die Zeiten schwer. So lange, bis das letzte Absperrgitter verräumt ist.