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Tour de Suisse
Pörtner in Worb

Der Zürcher Schriftsteller Stephan Pörtner besucht Surprise-Verkaufsorte und erzählt, wie es dort so ist.

«Dr schnäuscht Wäg nach Worb» wurde einem ja schon unzählige Male erklärt, und tatsächlich ist er noch immer zu finden, via Kirchenfeldbrücke, Thunstrasse, Gümligen und dann immer der Worbstrasse entlang. Allerdings ist es an diesem Tag auch der heisseste Weg nach Worb, auf einem Klappvelo über den neuen, schwarzglühenden Asphalt, auf dem an engeren Stellen gelb «Velo» gesprayt ist. Besser wäre man zu Fuss gegangen oder hätte das blaue Bähnli genommen, das inzwischen die blau­rote Tramlinie 6 ist. Oder ein oranges Bähnli.

Der Bärenplatz ist heiss und leer. Viel wird orakelt über das Sterben der Innenstädte und der Flaniermeilen. Weniger Mutmassungen werden über die Zukunft dieser klassischen Grossverteiler­Postfiliale­Coiffeursalon­Optiker­Apotheke­ Zentren auf dem Land geäussert. Sie wurden in den 1980er­ und 1990er­Jahren auf dem Reissbrett eines ansässigen Architekturbüros entworfen, versprachen Leben und Schwung ins Dorf zu bringen. Heute sind sie zu alt, um modern zu sein, aber noch nicht alt genug, um nostalgische Gefühle zu wecken. So stehen sie irgendwie etwas schief in der Landschaft, raumplanerische Versprechen, die nicht so richtig eingelöst wurden.

Es will keine rechte Stimmung aufkommen, die eingetopften Bäume und Blumen laden nicht wirklich zum Verweilen auf den originell gestalteten Bänken ein. Ein Plakat liefert die Erklärung, warum hier, dem Namen zum Trotz, nicht der Bär boxt. Beim Bärenplatz handelt es sich um einen privaten Platz mit beschränkter öffentlicher Nutzung (PmböN). Insbesondere wird darauf hingewiesen, dass es sich nicht um einen Spiel­ und Sportplatz, sondern um einen Ort der Begegnung für jedermann handle. Die Bänke dienten zum Verweilen und nicht als Hindernisse für Rollbrett­Akrobatik. Rollbrettfahren ist ohnehin nicht erlaubt. Das ist einerseits verständlich, andererseits kleinlich. Natürlich können Rollbretter einen ordentlichen Krach veranstalten, doch ist gerade diese Umnutzung architektonischer Elemente kreativer Akt, Training und Mutprobe in einem. Solchen Unfug zu veranstalten gehört nun mal zur Jugend. «Skateboarding is not a crime» hiess vor Jahrzehnten ein Slogan, der offenbar noch immer umstritten ist.

Es scheint das Dilemma der ländlichen Gemeinden, die um Familien mit Kindern werben und dann auf einmal mit einem Haufen Jugendlicher konfrontiert sind, mit denen niemand etwas anzufangen weiss, ehe sie in die Stadt ziehen und vielleicht später mit der eigenen Familie zurückkehren. Immerhin gibt es eine Jugendarbeit, die sich in einem alten Bauernhaus am Rand des Dorfes befindet.

Sport und Spiel kann im nahegelegenen Wislepark gefrönt werden, einer Badi mit allem Drum und Dran, die im Winter auch als Eisbahn dient. Auf dem Weg zur Badi kann vor der Voliere der Gemeinde und Kleintierfreunde Worb verweilt und einer Schar von Sittichen und anderen Vögeln gelauscht werden. Weiter vorne befindet sich ein neuer kleiner Platz mit Discounter und Polizeiposten, vielleicht eine Konkurrenz zum Bärenplatz. Rollbrettakrobatik ist aber auch hier keine zu sehen.