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Challenge League
Rassismus mit Humor begegnen?

Ich bin in einer Umgebung aufgewachsen, wo Menschen aus einem Land mit unterschiedlichen Sprachen, Religionen und Ethnien zusammenleben und eher wenig Kontakt mit Menschen aus anderen Ländern haben. Erst in der Schweiz habe ich Leute kennengelernt, die von unterschiedlichen geografischen Orten unseres Planeten stammen. Auf einer Seite bin ich begeistert von dem Privileg, Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen kennenzulernen. Auf der anderen Seite erlebe ich immer wieder auch Rassismus, mit dem und dessen Folgen ich leben muss.

Ich weiss, Rassismus ist ein unbliebtes Thema. Ich mag auch nicht gern darüber reden oder schreiben. Es gäbe viel spannendere Sachen, über die wir Menschen uns unterhalten könnten. Leider kann ich mich dem im Alltag nicht entziehen. Und Rassismus ist für mich allgegenwärtig.

Jedes Jahr macht die Stadt Bern eine Aktionswoche «Bern gegen Rassismus». Über eine Studienkollegin hatte ich letztes Jahr davon gehört und wir gingen zusammen zur Veranstaltung «Festival der Kulturen». Der Abend mit Tanz, Musikprogramm und Kunstausstellung war spannend, wir hatten eine gute Zeit. Dieses Jahr hatte ich auch Lust hinzugehen. Ich suchte das Programm nach Workshops ab. Dabei stiess ich auf eine Veranstaltung mit dem Titel «Dekoloniale Kritik an weissen Bildungsinstitutionen – Rassismus an der Uni?». Dieser Programmpunkt interessierte mich besonders: Bisher hatte ich den Eindruck, dass es in der Öffentlichkeit und an der Uni ein Tabu ist, über Diskriminierung und strukturellen Rassismus zu sprechen. Es fehlt noch an Bewusstsein und auch an Methodik, sich sachlich auf einem gewissen Niveau mit diesem Thema auseinanderzusetzen.

Ich war auch an einem Workshop mit dem Titel «Lustiger Rassismus». Dieser Abend wirkt immer noch nach, weil ich mich die ganze Zeit im Dilemma mit mir selbst befand. Es war eine Podiumsdiskussion mit Leuten, die hier geboren und deren Eltern eingewandert waren, sowie einigen, die selber immigriert sind. Sie zeigten uns kleine Videos und erzählten von ihren eigenen Erfahrungen mit Rassismus. Es wurde viel gelacht und Witze gemacht. Ich war nicht nur damit beschäftigt, gut zuzuhören, sondern auch mit einem inneren Konflikt: Ist Rassismus denn lustig? Mein Herz sagte: Nein, Rassismus ist vor allem schmerzhaft. Und mein Kopf daraufhin: Immer dieselbe Leier. Rassismus wird es wohl immer geben. Nimm es nicht so ernst. Es ist besser, wenn man das humorvoll verarbeitet.

Dabei geht es gar nicht unbedingt um direkte verbale Beleidigungen. Rassismus spüre ich in einfachen Gesprächen. Beispielsweise wenn ich gefragt werde, wieso ich nicht mit sechzehn verheiratet wurde und Kinder bekommen habe, oder wie ich es denn sogar an die Uni geschafft habe. Oft scheint es gut gemeint zu sein, wie ein Kompliment, es gibt mir aber das Gefühl, dass ich als schwarze Frau offenbar nicht an die Uni gehöre. Darüber zu reden ist allerdings immer noch besser, als mich in eine Schublade zu stecken oder sich gar nicht darüber auszutauschen. Meist habe ich im Gespräch weniger Schwierigkeiten, zu antworten oder Witze darüber zu machen, weil ich weiss, dass es nicht stimmt. Aber hinter dieser Aussage steckt letztlich die Grundannahme, dass alle schwarzen Flüchtlingsfrauen mit sechzehn Kinder zur Welt bringen und nicht studieren können. Ich wünsche mir, dass die Leute sich mit solchen Grundannahmen, die sie ungefiltert in ihre Gespräche einbauen, kritischer auseinandersetzen und nicht verallgemeinern.