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Die Schweiz schreibt
Sprache als Experimentierfeld

Das Junge Literaturlabor JULL ermutigt Jugendliche, frei darüber zu schreiben, was sie bewegt.

Was beschäftigt junge Menschen wirklich? In den Texten, die im Jungen Literaturlabor JULL entstehen, würden die in dieser Lebensphase drängenden Themen wie Liebe, Schulalltag oder Mobbing im Vordergrund stehen, sagt die Kulturmanagerin Gerda Wurzenberger, die das JULL 2015 im Auftrag der Kulturabteilung der Stadt Zürich gemeinsam mit dem Autor Richard Reich gegründet hat. «Krieg oder Terror sind ebenfalls häufig ein Thema – inspiriert weniger von der aktuellen Weltlage als von Video-Games oder Filmen. Trotzdem schwingt eine reale Grundangst zwischen den Zeilen mit.» Über persönliche Probleme würden die Jugendlichen in den Kollektivtexten kaum explizit schreiben. Brisantes wie Pornografie oder Vergewaltigung fliesse eher ein, wenn diese Themen in Medien oder im Schulhaus gerade aktuell seien.

Im JULL können Jugendliche von der Primarbis zu Berufsschule und Gymnasium alleine, in losen Gruppen oder, ähnlich wie beim Projekt «Schulhausroman», im Klassenverband unter Anleitung von Schreibprofis mit der Sprache experimentieren und herausfinden, wie man einen Erzähltext gestaltet. Unter den Coaches sind Namen wie Lorenz Langenegger oder Ulrike Ulrich. Letztere hat kürzlich mit Axmed Cabdullahi, der als unbegleiteter Minderjähriger aus Somalia in die Schweiz kam, einen Essay publiziert. Ulrich hat ihn im JULL kennengelernt.

Das JULL, das sich als Kunstprojekt versteht mit dem Ziel, jungen Menschen das kreative Schreiben näherzubringen, erreicht auch Jugendliche aus bildungsferneren Schichten, für die Schreiben sonst eher eine Pflicht ist. «Unsere Coaches arbeiten besonders gerne mit ihnen, weil sie sich weniger um Textkonventionen kümmern als Gymischülerinnen und -schüler. Ihre Texte sind mutiger, voller Kraft und Drive», sagt Wurzenberger.

Online laden die Menüpunkte «Reinlesen» und «Tagebuch» Interessierte dazu ein, in Auszügen JULL-Texte zu entdecken.