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Moumouni
... übers Zuhören

Ode ans Ohr

Ohren.
Sind die besseren Poren.
Sind die besseren Augen.
Sind das bessere Du.
Hör zu!

Da ist eine Tuba.
In meinem Kopf.
Sie sagt: blablabla
Es klingt schön.
 
Was machst du da?
In meinem Kopf.
Ist das Dada?
Kanns nicht verstehn.
 
Da ist auch ein Ruder.
In meinem Kopf
Und so viel Wasser
Ich sinke schon.

Wer unter Wasser ist mit seinem Kopf,
Hört wegen Wasser nicht, was da klopft.
Es ist ein HÖR MIR MA ZU DU ARSCH,
Das da einfach untergeht.

Dein Ohr 
Ein Knorpel. 
Erst hautüberzogen, dann 
Flaumüberzogen, dann 
Soundüberzogen, dann
Stille.

Dein Ohr
Eine Trommel mit Fell
Ein Gang mit Gehör
Ein Tunnel mit Schmalz
Ein Finger, der korkenartig stopft,
dann ploppt,
[plopp] 
hörst du das?
 
Mein Wort geht deim Ohr am Oarsch vorbei.

Manchmal habe ich in Gesprächen einen Filter über den Ohren wie nach dem Schwimmen oder Gondelfahren. Ich habe es gern laut, wenn ich Filme schaue, und blende die leisen Töne häufig aus. Ich habe mich so sehr daran gewöhnt, dass ich bei Videos zurückspulen kann, wenn ich nicht richtig aufgepasst habe, dass ich diese Möglichkeit in Gesprächen vermisse. Hörende Menschen sind wohl oft schlecht im Zuhören, denn sie lernen nicht gut, Gebärden zu verstehen. Was ich an Ohren toll finde, ist eigentlich hauptsächlich die dünne Knorpelhaut, die leuchtet, wenn man eine Taschenlampe dahinterhält. Und Menschen, die witzige, feine Haare an den Ohrenrändern haben, deren Frisuren sich je nach Sonneneinstrahlung in ihrer Erscheinung verändern. 
Ich höre selbst oft nicht gut zu. Meist merke ich das aber erst hinterher. Deshalb triumphiere ich, wenn ich mal jemandem sagen kann: Da hast du jetzt aber nicht richtig zugehört! Denn dann geht ja das Verständnisproblem nicht von mir aus; ich bin nicht schuld. Ich vermute, viele Leute sind diesbezüglich sophistisch veranlagt und hören einfach nur gut zu, damit sie nicht schuld am Missverständnis sind. Das schreibt sich jetzt zwar so, als könnte man das niemandem vorwerfen, aber ich glaube, so passieren umso mehr Missverständnisse, weil es nicht um das Verständnis per se geht, sondern darum, selbst keine Fehler zu machen. Zuhören hat wenig mit den Ohren zu tun, mehr mit Aufmerksamkeit und Empathie. Auch wenn ich beides im Gedicht ans Ohr hänge wie einen Ohrring, geht das natürlich auch lesend. Ich würde gerne besser zuhören und Gebärdensprache lesen können. Frohes Neues, lasst uns besser aufeinander eingehen!


Moumouni … 
hat gemerkt, dass ihre Augen während der Pandemie schlechter geworden sind.