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Moumouni...
… und die Kurkumaflecken

Fatima Moumouni schreibt, weil ja gerade schon alle über die Krise, Solidarität, die Wirtschaft, Flüchtlinge, sogar über Rassismus und häusliche Gewalt und so schreiben, über Kurkuma. Denn darüer hat sie in letzter Zeit noch nichts gelesen.

Sie schaut mich entgeistert und gleichzeitig belustigt an, als ich sie frage, ob ich für die Kurkuma-Wurzel ein extra dafür designiertes Brett benutzen soll oder lieber einen Teller, weil sich beim Schneiden die gelb-orangen Flecken so hartnäckig ins Holz und erst recht in die Schneiderillen fressen. Dann sagt sie, als wäre das eine Selbstverständlichkeit, ich könne selbstverständlich einfach das Schneidebrett benutzen, das ich schon in der Hand habe, es sei schliesslich ein Schneidebrett und es spiele keine Rolle, wenn das Schneiden auf dem Brett Spuren hinterlasse. Ausserdem sagt sie: «Ausserdem bin ich mir ganz sicher, dass es auch sonst niemanden im Haus stören wird, wenn es ein paar Flecken auf dem Brett hat.» Sie teilt sich den Haushalt mit fünf anderen Leuten. Anscheinend fünf Leute, die es niemals stören würde, würde der Gelbwurz ihr Brett gilben. «Ganz sicher», sagt sie. Und: «Niemanden.» Und ich frage mich, warum ich mir nicht sicher war, und ob mich das komisch macht. Dann denke ich an verschiedene Haushalte, in denen ich zu wissen glaube, dass man es sicher nicht schätzt, Kurkumaflecken auf dem Schneidebrett zu haben. Und daran, dass ich das gar nicht so genau weiss, denn ich kenne von den meisten mir bekannten Haushalten nur die Regeln zu Zwiebeln auf Schneidebrettern. Bei Zwiebeln bin ich selbst recht heikel, es regt mich geradezu auf, wenn Leute nicht unterscheiden zwischen Zwiebelbrettern und anderen Brettern und dann im schlimmsten Fall die Früchte nach alter Zwiebel schmecken, was ich als Beleidigung für mich, samt Frucht, sehe. Aber das ist ja was anderes. Beim Kurkuma geht es um einen rein ästhetischen Wert. Sie hätte es hässlich finden können, dass ihr Schneidebrett meinetwegen nach einmal Kurkumaschneiden aussieht, als hätte es zwanzig Jahre lang Zigaretten geraucht.

Meine Schneidebretter sind beizeiten orange geworden. Sogar einige Messerklingen, wenn ich gerade eine Kurkumaphase habe. Ich habe aus Höflichkeit gefragt und definitiv aus Unsicherheit darüber, was in Sachen Kurkuma so gang und gäbe ist.

Ist es banal, was ich schreibe? Wichtig ist an Kurkuma, auch «Gelber Ingwer», «Safranwurz(el)», «Gelbwurz(el)» genannt, ja eigentlich, dass sie mega-gesund ist: entzündungshemmend, antioxidativ, gut für Herz und Magen und in Form einer Kurkuma-Latte durch nichts an Hipheit zu übertreffen. Ausserdem hat sie eine richtig geile Farbe, über die ich stundenlang reden könnte, schmeckt gut und macht ein Curry orange-gelb.

Andererseits beschäftigt mich diese oben beschriebene Interaktion nun schon seit fast einem halben Jahr. Sie wirft die Frage auf, ob ich komisch bin, sie komisch ist oder die Leute, von denen ich denke, dass es sie stören würde, wenn auf ihrem Schneidebrett Kurkumaflecken wären. Ich stelle mir ein besonders schönes Schneidebrett vor. Eines, wie ich es selbst nicht besitze. Eines, bei dem ich mir vorstellen könnte, dass ich es schade fände, wenn Kurkumaflecken drauf wären. Und endlich, in Zeiten, in denen andere Sachen wieder wichtiger geworden sind, fällt es mir endlich ein: Es ist komisch, sie hat ganz recht, in einem Zustand zu leben, in dem es von Wichtigkeit ist oder sein könnte, dass Schneidebretter keine Kurkumaflecken haben.