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Somalia
Unter Warlords, Islamisten, Investoren

Rutscht das Land nach dem angekündigten Abzug der Friedens- truppen der Afrikanischen Union ganz in die Hände der Islamisten? Internationale Beobachter*innen und somalische Surprise-Verkaufende sorgen sich.

Somalia ist ein Land, in dem vieles funktioniert – aber kaum etwas so, wie man es als Europäer*in erwartet.

Anfang November in Somalias Hauptstadt Mogadischu: Während Kinder zum Unterricht strömen, detoniert vor ihrer Schule ein Sprengsatz. Sanitäter rasen zum Anschlagsort, aber für acht Opfer kommt jede Hilfe zu spät. Siebzehn Menschen überleben schwer verletzt. Zu dem Anschlag bekennt sich kurze Zeit später die Terrororganisation al-Shabaab (dt. Die Jugend). Ihr Ziel sei ein gepanzertes Fahrzeug vor dem Gebäude gewesen, in dem UN-Personal sass, um die Sicherheit der Bevölkerung zu gewährleisten. Gegen die Islamisten von al-Shabaab, die weite Teile Somalias beherrschen und in den Städten einen Partisanenkampf auf Kosten der Bevölkerung führen, sind die Sicherheitskräfte machtlos, seit Jahrzehnten schon.

Und das ist nicht das einzige Problem im Land am Horn von Afrika. So rechnen die Vereinten Nationen in den kommenden Monaten mit einer Hungersnot. Die sich ständig verschlimmernde Dürre hat Ernten, Lebensmittelbestände und Vieh vernichtet. Bis Mitte November 2021 waren knapp 6 der 16 Millionen Somalis auf Lebensmittelhilfe angewiesen, im Lauf des Jahres 2022 sollen es den UN-Prognosen zufolge 7,7 Millionen sein: knapp jede und jeder zweite. Ein Grund ist die Klimakrise, die Somalia besonders hart trifft. Seit 1990 verzeichneten Meteorolog*innen mehr als dreissig Extremwetterlagen, darunter zwölf Dürren und neunzehn Überschwemmungen. Dass das Kinderhilfswerk Save the Children zuletzt auch noch davor warnte, das somalische Bildungswesen stehe wegen Klimawandel, Gewalt, Corona-Pandemie und Impfstoffmangel kurz vor dem Zusammenbruch, überrascht da kaum.

Somalia scheint ein hoffnungsloser Fall zu sein, ein Oberbegriff für Bürgerkrieg, der nicht enden will, für verfeindete Warlords, brutale Islamisten, dauerhaften Hunger und eine kurze Blütezeit moderner Piraterie. Bei meinen Besuchen habe ich festgestellt: All das gibt es. Doch Somalia ist noch viel mehr: die Heimat von Weihrauch und Myrrhe; der Ort mit einigen der ältesten Höhlenzeichnungen in Afrika (über 5000 Jahre alt); ein Land, das mit Nuruddin Farah einen nobelpreiswürdigen Autoren hervorgebracht hat, mit K’naan einen gefeierten Popstar, ausserdem den Läufer Mo Farah (inzwischen Brite), der bei den Olympischen Spielen in London gefeiert wurde, das Model Iman oder auch Ilhan Omar, die in den USA von einem Flüchtlingskind zu einer der beiden ersten muslimischen Kongressabgeordneten aufstieg. Kurz: Somalia ist ein Land, dessen Vielfalt über die Klischees von Zerfall und Chaos hinausgeht.

Somalia ist ein Wüstenstaat. Obwohl das Land so unwirtlich ist und Somalia die längste Küste eines afrikanischen Landes besitzt – jedenfalls dann, wenn man Somaliland im Norden mitzählt, das sich einseitig für unabhängig erklärt hat –, haben sich die Bewohner*innen, überwiegend Nomaden, immer zum Landesinneren hin orientiert. Die Geschichte des heutigen Staats Somalia beginnt am 1. Juli 1960. In der Kolonialzeit war Somalia ein geteiltes Land: Die Briten hatten bereits Ende des 19. Jahrhunderts sogenannte «Schutzverträge» mit verschiedenen Clans im Norden Somalias abgeschlossen. Italiens Faschisten besetzten in den 1930er-Jahren Teile von Somaliland, den Osten Äthiopiens und Südsomalia als Teil von Mussolinis Traum vom «Africa Orientale Italiana», Italienisch-Ostafrika. Drei weitere Regionen, die die somalischen Nomaden seit Jahrhunderten ihre Heimat nennen, wurden anderen Ländern zugeschlagen: die «Côte française des Somalis» rund um die Hafenstadt Dschibuti, die 1977 unter diesem Namen unabhängig wurde; der nördliche Grenzdistrikt Kenias, in dessen Halbwüsten bis heute vor allem ethnische Somalis leben, und der Ogaden im Osten Äthiopiens, den die Äthiopier 1887 ihrem damaligen Kaiserreich einverleibten. Die somalische Flagge zeigt heute einen fünfzackigen Stern auf blauem Grund: Jeder Zacken steht für eine der fünf Regionen. Unter anderem der Putschist Siad Barre, der das Land zwischen 1969 und 1991 in einen Bürgerkrieg und dann in den Abgrund führte, forderte lautstark eine «Wiedervereinigung», wohl auch, um vom eigenen Versagen abzulenken.

Komplexe Clanstrukturen

Die heimlichen Herrscher sind und waren ohnehin nie die Präsidenten, Premiers oder Diktatoren, die offiziell an der Spitze des somalischen Staates standen; auch nicht die Islamisten, die in den 2000er-Jahren kurzzeitig die Staatsgeschäfte führten, oder al-Shabaab, die manchen heute als Schattenregierung gelten. In Somalia herrschen einzig die Clans. Beinahe jede*r Somali fühlt sich mindestens einem von ihnen zugehörig. Männliche Somalis können ihre (männlichen) Vorfahren oft über dutzende Generationen zurück benennen, und Guray, ein somalischer Bekannter, hat mir einmal erklärt, dass dieses phänomenale genealogische Gedächtnis vor allem im Bürgerkrieg der 1990er-Jahre lebenswichtig war: «Es gab keine Pässe und kein Meldewesen, und der Ersatz war einfach, dass man seine Vorfahren herunterbeten konnte. Mir ist es einmal passiert, dass die Strassensperre einer Clan-Miliz bei der Nennung meines Urururgrossvaters die auf mich gerichteten Waffen runternahm und der Anführer sagte: Warum hast du das nicht gleich gesagt, du bist ja einer von uns.» Dennoch sind die Clans keine statischen, sondern höchst veränderliche Einheiten. Sie teilen sich auf in Subclans, Subsubclans und noch feinere Verästelungen. Mal sind sie verbündet, mal verfeindet, und die Details dieser Beziehungen sind nicht nur Gegenstand vieler Diskussionsrunden bei Tee und Khat, der über Stunden gekauten Alltagsdroge, sondern auch Basis jeder politischen Strategie. «Clanpolitics sind die Ursache vieler Kämpfe in Somalia, aber sie sind auch der Schlüssel zum Frieden», sagt Guray. Das ist ein Satz, den ich mir gemerkt habe. Und ein somalisches Sprichwort, das das ganze komplizierte Verhältnis in vier Formeln zusammenfasst: «Ich und mein Clan gegen die Welt – ich und meine Familie gegen meinen Clan – ich und mein Bruder gegen meine Familie – ich gegen meinen Bruder.»

Vor diesem Hintergrund wird in Somalia gerade der neue Präsident gewählt, ein Prozess, der sich seit Jahren hinzieht. Die Amtszeit von Präsident Mohamed Abdullahi Mohamed, der wegen seiner im Ausland erworbenen Liebe für Käse Farmajo (von italienisch «formaggio») genannt wird, ist längst abgelaufen, und sein Versuch, seine Herrschaft künstlich zu verlängern, ist gescheitert. Wegen der Unsicherheit im Land wurde die versprochene freie Wahl – wieder einmal – gecancelt, stattdessen wählen die Clans das Parlament und dieses den Präsidenten – theoretisch. Ende Juli ging es los, doch im Dezember war noch kein Ende absehbar. Der eine Kandidat, Premier Mohamed Hussein Roble, warb im eigenen Land, der andere, Farmajo, bei der einflussreichen Schutzmacht Katar um Rückendeckung. Vor lauter Sorge um die eigene Macht verpasste die amtierende Regierung es, sich über die Zukunft der Friedenstruppe AMISOM (African Union Mission In Somalia) Gedanken zu machen, deren Mandat Ende 2021 auslaufen sollte und nun zunächst bis Ende März 2022 verlängert wurde. Expert*innen der NGO International Crisis Group rufen dazu auf, den Einsatz um insgesamt ein halbes Jahr auszudehnen und in dieser Zeit ein zukunftsfähiges Konzept zu entwickeln, das die Sicherheit Somalias gewährleistet. Wie das klappen soll, können allerdings auch sie nicht sagen.

Das Geschäft floriert

Man könnte meinen, dass in Somalia unter diesen Umständen nichts funktioniert. Doch das Gegenteil ist der Fall, zumindest wirtschaftlich. Zwischen den von Kugeln zersiebten Ruinen Mogadischus blüht seit Jahrzehnten das Geschäft. Wer es sich leisten kann, bekommt über diverse Handynetze glasklare und günstige Telefonverbindungen in alle Welt und das vielleicht schnellste Internet in Afrika. Auf den Strassen sind modernste Geländewagen unterwegs, importiert aus Dubai. Das Emirat ist der Zweitwohnsitz vieler somalischer Businessmen, der Geschäftsleute, die alles arrangieren können, wenn der Preis stimmt. Ihre Fluggesellschaften flogen selbst in finstersten Zeiten mehrmals täglich von einem der Flugfelder Mogadischus nach Dubai, bis der internationale Flughafen wieder geöffnet wurde. Dort landen seither Exilant*innen und im Ausland aufgewachsene Kinder von geflohenen Somalis, um zu bleiben. Denn wer etwas wagt, kann reich werden in Mogadischu. Das Land ist bis heute beinahe rechtsfreier Raum. Die Regierung ist kaum in der Lage, Zollgebühren oder Steuern einzutreiben. Und so eröffnen Hotels, Restaurants, Taxiunternehmen und Banken ohne staatliche Aufsicht. Auch der Handel mit Grundstücken boomt. Viele der einstigen Eigentümer sind geflohen, und wenn es Streit gibt, klären käufliche Milizionäre die Besitzverhältnisse. Ein Gebäude in der Via Roma, einer kleinen Strasse in der Altstadt, kostete im Sommer 2018 immerhin eine Million US-Dollar. Und die Mieten sind ähnlich hoch wie mancherorts in Europa: 1000 Dollar für eine Vierzimmerwohnung sind nicht ungewöhnlich. So viele Geschäftsleute und Investoren sind voller Hoffnung auf Profit, dass die Neubauten zwischen den Ruinen den Bedarf kaum decken.

Geld steckt in allem, was die Mehrheit braucht und der Staat nicht zur Verfügung stellt, selbst im Verkauf von Brunnenwasser an Vertriebene. Eines der wichtigsten Geschäfte ist jenes mit internationaler Hilfe: 2019 flossen 1,9 Milliarden US-Dollar offizielle Entwicklungshilfe ins Land. Ein lukrativer Markt und eine Goldgrube für dubiose Helfer*innen. Die anhaltende Unsicherheit nährt ausserdem den wachsenden Markt an Sicherheitsfirmen, die für 1200 US-Dollar pro Tag bewaffneten Begleitschutz und gepanzerte Fahrzeuge anbieten. Mehr als zwei Drittel der Somalis allerdings profitieren nicht davon. Sie werden von den UN als arm eingestuft. Und die Strukturen in Somalia sorgen dafür, dass sie es auch bleiben.

MARC ENGELHARDT berichtet seit fast zwanzig Jahren aus Afrika. Gemeinsam mit Bettina Rühl hat er das Buch «Somalia. Warlords, Islamisten, Investoren» geschrieben. Er lebt in Genf. Ein ugandischer Soldat im Dienst der Afrikanischen Union in Somalia (AMISOM), Februar 2010. Die Mission wurde im März 2007 mit dem Ziel gegründet, nach Jahren des Bürgerkrieges für Frieden und Sicherheit zu sorgen. Noch immer sind fast 20 000 Soldaten in Somalia stationiert, heute kämpfen sie gegen al-Shabaab. Den Kritiker*innen ist die Mission zu passiv und konzeptlos. Derzeit soll das Mandat Ende März 2022 enden. Militärpatrouille in Mogadischu, September 2011. Die Überwachung der Bevölkerung ist bis heute allgegenwärtig – ebenso die der Journalist*innen, die oft nur im Versteckten fotografieren oder filmen können. «Man kann niemandem trauen» Ende März 2022 könnten die Friedenstruppen der Afrikanischen Union AMISOM abziehen. Übernehmen dann die islamistischen al-Shabaab? Wir haben vier somalische Surprise-Verkaufende nach ihrer Sicht gefragt zu ihrer Sicherheit anonym.

Surprise-Verkäufer, 36, aus der Region Basel, 4 Kinder.

«Als ich im letzten Juli in Somalia am Flughafen ankam, musste ich Geld zahlen an Sicherheitsleute, die einen davor beschützen, auf der Fahrt in die Stadt erschossen zu werden. Man muss die Kleider wechseln und gebrauchte Klamotten von anderen anziehen und darauf achten, den Müll genau so achtlos wie die anderen auf die Strasse zu schmeissen. Man muss sogar die Gangart wechseln. Sonst erkennt man dich sofort als jemanden, der aus dem Ausland kommt. Dann fragen die Leute, woher kommst du, aus Europa oder Amerika? Wenn die Leute wissen, dass du aus Europa kommst, ist es gefährlich. Wenn man aber nicht spricht über Politik, über al-Shabaab oder die anderen Gruppen und keinen Kontakt hat, dann tut dir auch keiner etwas. Das Problem in Somalia ist: Man kann niemandem trauen, nicht mal den Kindern. Die einen denken, du hast viel Geld, die anderen denken, du kommst aus einem Land, das nicht islamisch ist. Sie werfen dir vor, ebenfalls ungläubig zu sein. Ich bin beispielsweise aus Schweizer Sicht Muslim, aber aus Sicht der al-Shabaab bin ich ein kafir, ein Ungläubiger.

Ich bin hingereist, um mit den Menschen über Genitalverstümmelung zu sprechen. In einer Region ist die Situation der Mädchen besonders schlimm, viele sterben. Wir sind dorthin gereist, um die Menschen davon zu überzeugen, damit aufzuhören. Aber sie haben uns nicht verstanden, sie sagten, es gehöre zu ihrer Kultur. Die Region ist vier Stunden Autofahrt von Mogadischu entfernt. Auf dem Weg trifft man etwa jede Stunde auf eine Strassensperre, wo Leute sitzen, denen man Geld zahlen muss.

Neu ist, dass, sobald du in Somalia ankommst, al-Shabaab deine Telefonnummer erfährt. Selbst wenn du eine neue Nummer bekommst, die noch niemand kennt, nicht einmal deine Familie, al-Shabaab wissen sofort Bescheid. Vielleicht arbeitet die Telefongesellschaft mit al-Shabaab zusammen. Sicher ist, dass sie alles von dir wissen, ab dem Moment, wo du ein Smartphone anmeldest. Als ich wieder in die Stadt zurückkam, wurde ich angerufen. Man sagte mir, ich sei erneut in die Stadt gekommen, hätte aber die Steuer nicht bezahlt. Ich sei quasi illegal eingereist. Warum ich die Mudschahiddin (dt. Kämpfer in einem religiös begründeten Krieg, Anm. d. Red.) nicht zahlen würde? Ich sagte, ich wüsste nicht, wo die Mudschahiddin sind, wie sollte ich zahlen? Sie verwiesen mich an meinen Taxifahrer, er würde das Geld entgegennehmen.

Ich wechselte sofort das Telefon und wandte mich an die Sicherheitsbehörden der Regierung. Die sagten aber, sie könnten mich nicht schützen, und gaben mir den Tipp, kein Handy mehr zu benutzen. Ich habe das Telefon abgegeben, das Haus gewechselt und bin untergetaucht. Wenn du ein Haus besitzt oder ein Unternehmen führst, musst du doppelt Steuern zahlen: einmal an den Staat und einmal an al-Shabaab. Wenn du nicht die von ihnen geforderte Steuer zahlst, dann kidnappen sie deine Kinder oder deine Mutter, deine Frau, deine Schwester, und töten sie, sobald du gezahlt hast. (Um bei der nächsten Forderung sicherzugehen, dass sofort gezahlt wird. Anm. d. Red.)

Meine Familie ist schon vor langer Zeit nach Kenia geflohen. Eine Schwester war mit einem Mann verheiratet, der sich den al-Shabaab angeschlossen hat. Seit 2006 hatten wir keinen Kontakt zu ihr. Nun ist sie geflohen, weil sie es nicht mehr aushielt: Sie lebten jeden Tag in einer anderen Stadt, weil er sich versteckt halten musste. Er war einer von den Gläubigen, die mit der Organisation leben. Andere bekommen nur über Telefon Aufträge von al-Shabaab. Meine Schwester hat drei Kinder mit ihm. Anfang dieses Jahres bekam ich plötzlich einen Anruf von ihr, sie sei in der Türkei. Seit einigen Wochen ist sie jetzt hier. Sie hat viel riskiert. Wenn eine Frau ein al-Shabaab-Mitglied heiratet, darf sie keinen Kontakt mehr mit ihrer Familie oder ihren Nachbarn haben. Die Frauen der al-Shabaab dürfen nicht einmal ihre Häuser verlassen, die Männer kommen abends nach Hause, schlafen mit ihren Frauen, und hauen früh am nächsten Morgen wieder ab. Sie konnte nur fliehen, weil dort, wo sie war, Kämpfe ausbrachen.

So ist Somalia.

Wir hoffen jetzt auf die nächsten zwei Jahre. Die Armee wird zwar stärker, aber es hat auch immer noch viele Teile, denen man nicht trauen kann. Europa und die Türkei helfen der Armee. Es ist nicht einfach. Denn Menschen, die glauben, kann man nicht so einfach re-integrieren wie diejenigen, die nur Angst haben und deshalb kooperieren.

Die Truppen der Afrikanischen Union AMISOM machen nichts. Es wäre besser, wenn man den Lohn, den die AMISOM-Soldaten bekommen, den somalischen Soldaten gäbe, die etwas bewegen. Die Armee kämpft bereits gegen al-Shabaab. Ausserhalb der Hauptstadt ist überall Krieg. Ich bin davon überzeugt, dass die Regierung dort, wo sie die Kontrolle hat, ihre Aufgaben auch gut erledigt. Sie ist nicht korrupt wie die letzte. Vorher hat die Armee ihren Lohn nicht bekommen, die Mitarbeitenden des Staates haben keinen Lohn bekommen – alles war viel komplizierter. Der jetzige Präsident Mohamed Abdullahi Formajo ist gegen Korruption, zahlt die Gehälter rechtzeitig aus, er will sich nicht selbst bereichern. Er will Somalia helfen. Wenn er 2023 noch einmal gewählt wird, können wir auch wieder nach Hause. Aber es gibt Leute, die sind reich wegen des Krieges. Die wollen natürlich nicht, dass man ihnen ihre Geldhähne abdreht.

Im Moment gibt es keine guten Strukturen, die Regierung muss das in Angriff nehmen, sonst ist es schwer, die Kontrolle zu behalten. Ausserdem gibt es noch das Clan-Problem. Familien machen Krieg gegen andere Familien. Aber vom Clan-Problem sind die Leute längst müde. Die eigentliche Gefahr sind al-Shabaab. Die meisten Probleme entstehen in der Hauptstadt, da sitzen diejenigen, die nicht wollen, dass das Land ruhig wird.

Ich habe keine Angst vor al-Shabaab. Wenn alle Leute offen sagen würden, dass sie unter al-Shabaab leiden, dann könnte die Organisation sich nicht so durchsetzen. Aber die Leute haben noch nicht gelernt, dass sie die Wahrheit sagen können. Ich hoffe, dass es besser wird. Wir wollen zurück. Unsere Kinder fragen immer: Warum können wir nicht in Somalia leben? Sie können nicht verstehen, was los ist. Langsam ist die Armee stark genug, um den Kampf gegen die Extremisten aufzunehmen. Aber bis wann das dauert? Ich weiss es nicht. Die Armee wird zwar stärker, aber es hat auch immer noch viele Teile, denen man nicht trauen kann.»

Surprise-Verkäuferin, 49, aus der Region Zürich, 6 Kinder

«Ich war im August das letzte Mal in Somalia. Meine Mutter lag im Spital wegen des Herzens, ich bin hingeflogen, um die Rechnung zu zahlen. Die Spitäler sind nicht wie hier: Ohne Geld läuft da gar nichts. 2019 hat meine Mutter bei einem Bombenattentat auf einen Bus ihren linken Arm und die Hälfte ihres Hinterns verloren. Einer meiner Söhne ist damals zurückgegangen, um ihr zu helfen. Aber er will weg, es ist gefährlich für ihn dort. Ich kann meine Mutter nicht in die Schweiz holen. Deshalb versuche ich jetzt, sie zu meiner Halbschwester nach Ankara zu bringen. Sie würde helfen mit der Pflege. Dann könnte auch mein Sohn wieder herkommen und seine Lehre abschliessen. Nun warten wir auf Somalia, dass sie ihr die Ausreise in die Türkei erlauben. Sie ist 74 Jahre alt. Sie hat auch noch Zucker, aber jetzt ist es besser.

Seit dem Krieg in den 1990er-Jahren ist es so schlimm. Davor war alles ganz normal, ich bin zur Schule gegangen, ich habe die Universität abgeschlossen. Ich war Journalistin. Vor dem Krieg lebte ich in Mogadischu. Mein Vater ist im Krieg ums Leben gekommen. Ich habe selbst Probleme an beiden Händen, weil ich im Krieg im Oktober 1993 Bombensplitter abbekommen habe. Das waren die Amerikaner, ich arbeitete als Journalistin und sass in einem der Gebäude, die sie bombardiert haben. Dann bin ich in die Schweiz geflohen. Nun lebt meine Mutter in einem Dorf, das mir fremd ist, ich kenne es kaum. Ich kann auch nicht immer hinfliegen, nur im absoluten Notfall. Ich habe Kinder hier, die mich brauchen. Meine Schwestern leben an unterschiedlichen Orten, aber niemand ist mehr in Somalia.

Ich komme aus einer kleinen Familie, im Vergleich zu den grossen Clans bekommen wir nur einen Bruchteil der Ressourcen. Der Präsident, der Premierminister, die politische Elite: Sie kommen alle aus grossen Familien. Ihre schlechte Regierungsführung lasten sie der Islamistenmiliz al-Shabaab an. Es gibt keine freie Presse. Als Journalistin kann es dir passieren, dass du einfach so von der Polizei abgeholt und direkt vor Gericht gestellt wirst. Vor vier Jahren war es besser, da war alles ruhig. Der jetzige Präsident hätte schon lange die Macht abgeben müssen, aber er hat sich geweigert. Davor hatten wir einen guten Präsidenten. Der hat sich besser gegen al-Shabaab durchgesetzt. Mein Eindruck ist, dass viele, die früher zu al-Shabaab gehört haben, nun mit der Regierung zusammenarbeiten. Die Regierung nutzt al-Shabaab als Vorwand und zur Erledigung unbequemer Aufgaben, wann immer es passt. Wenn die Regierung richtig arbeiten würde, ohne al-Shabaab, dann würde sich vielleicht etwas ändern. Al-Shabaab sind nicht viele. Die müssen vor Gericht gestellt werden.

In Mogadischu ist es besonders schlimm, weil dort auch alle Geldund Warenflüsse durchgehen. Jeden Tag hört man von Menschen, die sterben oder verschwinden. Alle Leute haben Angst. Es gibt in Mogadischu zwei verschiedene Zonen, die eine wird von Polizei und Regierung kontrolliert, da läuft man Gefahr, Opfer eines Anschlages zu werden. Andere Gebiete werden nicht von der Regierung kontrolliert. Man hat immer Angst, wenn man rausgeht. Man weiss nie, ob man auch zurückkehrt. Auf dem Dorf ist es besser. Zwar herrscht dort al-Shabaab. Aber die Menschen machen einfach, was al-Shabaab wollen. Ich muss als Frau weite Umhänge tragen und Socken. Wenn man sich nicht ordentlich verschleiert, kann es passieren, dass man getötet wird. Sie sind herzlos und gefährlich, aber effizient. Wenn die Regierung alles gut machen würde, müssten sich die Leute nicht an al-Shabaab wenden. Korrupt sind beide: Wenn Lieferungen aus dem Ausland kommen, muss man Zoll zahlen – und zwar doppelt: an al-Shabaab und an die Regierung.

Al-Shabaab erpresst die Menschen. Plötzlich ruft jemand dich an und verlangt beispielsweise dieselbe Miete, die du der Gemeinde jeden Monat zahlst. Wenn du die Nummer ignorierst, kommt eine SMS, in der steht, wo du dich befindest, was du anhast etc. Sie zeigen: Wir wissen, wo und wer du bist. Dann transferieren sie 10 Dollar auf dein Handy: für dein Leichentuch – falls du nicht zahlst. Solche Dinge können jedem passieren, es ist vollkommen irrelevant, wer man ist.

Ich weiss nicht, wann das endlich aufhört. Die USA wissen Bescheid und geben Geld, die EU weiss Bescheid und gibt Geld, die UNO weiss Bescheid und gibt Geld ... Und am Ende sagen alle nur: Ah, tut mir leid. Die Truppen der Afrikanischen Union, die tun nichts. Sie haben ein schönes Leben in ihren Stützpunkten, direkt am Meer. Manchmal fahren sie mit ihren Autos durch die Gegend, aus denen sie niemals aussteigen. Es ist egal, ob die AMISOM da sind, sie verdienen einfach Geld. Warum hilft uns niemand? Ich hoffe, dass die USA, Europa und die anderen ein Herz haben.»

Surprise-Verkäufer, 66, aus der Region Basel, 6 Kinder

«Somalia muss sich von ausländischer Einmischung befreien. Deswegen ist die Regierung so schwach. Ausserdem hat Somalia ein Problem mit seinen Stämmen. Wenn ein Politiker nicht zufrieden ist mit der Regierung, hetzt er seinen Stamm auf. So kam auch der Zusammenbruch der Regierung 1991 zustande: ein Stammeskonflikt. Wenn man in Somalia Abgeordneter werden möchte, muss man Geld haben. Wenn ich ins Parlament will, gehe ich in meine Region und bezahle die Menschen dafür, dass sie für mich stimmen. Und so ist es auch beim Präsidenten: Er muss all die Abgeordneten dafür bezahlen, dass sie ihn wählen. Um dieses Geld zu bekommen, geht er nach Saudi-Arabien, nach Kenia, nach Äthiopien und nimmt Geld. Diese Länder wollen dafür natürlich Gegenleistungen. Die Golfstaaten beispielsweise wollen nicht, dass Somalia Öl und Gas fördert, also bezahlen sie somalische Politiker, um Unruhe zu stiften. Korruption – das ist eines der Hauptprobleme in Somalia.

In der Verfassung ist zudem ein Konflikt zwischen Präsident und Premierminister angelegt, die Kompetenzen sind nicht klar geregelt, das führt immer wieder zu denselben Machtkämpfen. Jeder Teilstaat hat zudem eine eigene Regierung, einen Präsidenten, ein Parlament, das sind viele Präsidenten, viele Minister und viele Parlamente. Die Verfassung ist nicht geeignet, diesen Föderalismus gut zu regeln. Die Zentralregierung kontrolliert nur die Hauptstadt. Schon zwanzig Kilometer weiter beginnt der nächste Bundesstaat. Wir haben also sieben Präsidenten, die um die Macht konkurrieren. Manche sagen dem Staatspräsidenten: Worüber regierst du schon? Mein Teilstaat ist viel grösser als die Hauptstadt. Die Zentralregierung ist sehr schwach, aber sie ist nicht korrupt. Alle Staatsangestellten bekommen ihr Gehalt direkt. Man kann die Geldflüsse von der Nationalbank bis zu den Empfänger*innen direkt nachweisen. Auch der Internationale Währungsfonds traut der Regierung, obwohl es eine autoritäre Regierung ist. Die AMISOM-Länder Kenia, Burundi, Djibouti, Uganda und Äthiopien haben kein Interesse an einem friedlichen Somalia. Sie verdienen Geld mit ihrem Mandat und haben ein Interesse daran, die Sanktionen aufrechtzuerhalten. Sie wollen ihre Soldaten in Somalia behalten, es interessiert sie nicht, ob es Terroristen gibt oder nicht. Die 22 000 AMISOM-Soldaten könnten doch die rund 7000 Angehörigen der al-Shabaab fertigmachen. Aber sie wollen lieber weiter ihren Lohn bekommen, als zu kämpfen. Sie nennen es ‹peace keeping›. Anders sind die letzten zwölf Jahre nicht zu erklären.

Al-Shabaabs Taktik ist, die Städte und Orte zu isolieren. Wenn man von einer Stadt in eine andere reisen will, muss man das Flugzeug nehmen. 70 Prozent der somalischen Menschen leben als Nomaden und werden von al-Shabaab beherrscht. Sie nehmen ihnen die Hälfte ihrer Ernte und ihre Kinder weg. Früher gab es viele Bombenattentate, heute passiert weniger, weil die Zentralregierung bessere Nachrichtendienstsysteme aufgebaut hat. Heute passieren vor allem dann Attentate, wenn Konflikte innerhalb der Regierung verhindern, dass sich die Regierung auf die Sicherheit konzentriert.

Wenn die internationale Gemeinschaft die somalische Armee unterstützen würde, könnten sie al-Shabaab zerstören. Aber es gibt Sanktionen gegen Somalia, die Regierung kann keine Waffen kaufen. Und solange die Armee nur dieselben Waffen hat wie die Terroristen, sind sie auch nur gleich stark. Würde man die Sanktionen aufheben, könnte die Armee Somalia innerhalb von zwei Jahren komplett befreien. Derzeit verdient ein Soldat in der somalischen Armee etwa 200 US-Dollar, die AMISOM-Soldaten verdienen ein Vielfaches.

Ich war 2012 das letzte Mal in Somalia. Ich kann nicht hinreisen, da ich als politischer Flüchtling in die Schweiz gekommen bin. Manche meiner Verwandten leben als Nomaden unter al-Shabaab. Sie sind nicht glücklich. Wenn einer zehn Kamele hat, nimmt al-Shabaab drei weg, sie leiden unter den harten Zahlungen. Und sie müssen dafür sorgen, dass alle Kinder spätestens mit zehn Jahren in die Städte gehen, damit sie nicht geraubt und für den Kampf trainiert werden. Al-Shabaab rekrutieren ihre Kämpfer sehr jung und brainwashen sie. Junge Menschen sind sehr empfänglich. Und die Jugend ist arbeitslos, sie braucht Geld. Ich habe meiner Familie geraten, alle Kinder mit spätestens acht Jahren in die Stadt in die Schule zu schicken. Es trifft nicht nur Jungs, auch Mädchen. Sie erzählen ihnen, sie würden direkt ins Paradies gehen. Warum aber geht dann der Anführer der al-Shabaab nicht selbst direkt ins Paradies? Es sind auch nicht nur Somalis in al-Shabaab. Die Kämpfer sind Somalier, die Trainer und Vordenker kommen aus dem Ausland. Sie isolieren diese Menschen in speziellen Camps, wo Pakistaner, Iraker und ISIS-Leute Hass in ihnen schüren, damit sie sich aufopfern, sie geben ihnen auch Drogen. Das sind Tricks, böse Tricks.»

Surprise-Verkäufer, 36, aus der Region Basel, keine Kinder

«Die Situation in Somalia ist sehr kompliziert. Es ist schlimmer als Afghanistan oder Syrien. Somalia wird von Gangs regiert, kleinen Gruppen von Menschen, die vor allem Geld verdienen wollen. Die Regierung und al-Shabaab – beide gehören dazu.

Zur Zeit der Unabhängigkeit 1960 gab es eine gewählte Regierung, aber das Land kam nicht vorwärts. Es war sehr arm. Junge Politiker, meist aus der Armee, haben damals gedacht: So funktioniert das nicht. Somalia ist zwar angeblich demokratisch, aber wir bleiben in unserer Clan-Ideologie stecken: Wer Präsident werden will, verlässt sich nur auf seinen Stamm. Also übernahmen sie 1969 mit einer Militärregierung die Macht. Sie liessen alle verhaften, die vorher in der Politik gearbeitet hatten. Dann begannen sie Somalia aufzubauen: die Institutionen, das Gesundheitssystem, die Justiz, den Sicherheitsapparat. Sie liessen die Leute zählen und registrieren.

Nun hatten die Gangs kein Einkommen mehr – sie gingen nach Europa und Amerika und überlegten, wie sie wieder an Geld kämen. Aber wie? Sie wollten das Land wieder übernehmen, dazu brauchten sie Einfluss in der Bevölkerung. Also haben sie das Clan-System reanimiert und Geschichten verbreitet wie ‹Ich bin ein Opfer, mein Vater wurde vom Militär getötet›, was gar nicht passiert war. Und sie streuten die Idee, dass Somalia nicht ein Land ist, sondern zwei Länder. Die Leute haben daran geglaubt. Man fragte sich plötzlich im Norden, warum geht es dem Süden gut und dem Norden nicht? Und schon waren wir in zwei Fraktionen geteilt. Dazu kam das religiöse Narrativ: Plötzlich wurde gesagt, dass wir Muslime seien und bestimmte Kräfte gegen die Religion stünden. Damals traten die Dschihadisten auf den Plan. Sie sagte, wir seien Muslime und müssten kämpfen, um die Feinde des Islams umzubringen. Dann kam der Bürgerkrieg. Und die Gangs hatten Zeit, das Land zu übernehmen, ohne dass irgendwer sich noch wehren konnte.

Seitdem die Gangs dort sitzen, wo vorher das Militär gesessen hat, passiert nichts mehr. Der ganze Aufbau, den das Militär geleistet hat – heute ist nur noch Stillstand. Das Land wurde islamisiert, um dem Ausland die Geschichte erzählen zu können, der Dschihadismus sei eine Gefahr. Damit man aus dem Ausland Hilfsgelder zur Islamismus-Bekämpfung bekommen kann, die man dann aber zwischen den Islamisten und der Regierung aufteilt.

Somalia ist in einer schlimmen Lage. Es kann dir passieren, dass dich sogar der Botschaftsbeamte in Genf erpresst, wenn du Pech hast. Du beantragst Papiere für irgendeine Sache, die du in der Schweiz erledigen musst – später ruft derselbe Beamte dich an und droht dir, deine Daten an die Islamisten weiterzugeben, wenn du nicht zahlst. Wie soll ich den Präsidenten ernstnehmen, wenn schon die einfachen Angestellten so handeln? Aber die Welt unterstützt die Gangs, man hört die Kritiker*innen nicht. Man traut dem Regime.

Vielleicht wäre es besser gewesen, gar nicht erst wegzugehen. Jetzt zurückzugehen aber ist sehr schwer. Derzeit sehe ich keinen Ausweg. Es ist wie ein Kreisverkehr, wo man ständig die Ausfahrt verpasst. Armee und al-Shabaab – alle arbeiten zusammen. Ich glaube auch nicht, dass es eine islamistische Ideologie gibt, al-Shabaab ist einfach eine Arbeitsstelle für die Leute. Leiden tut die Bevölkerung. Viele Somalis hier glauben, wenn al-Shabaab weggehen würde, wäre alles wieder normal. Das erzählen ihnen die Medien, die regierungstreu sind. Und ob AMISOM bleiben oder gehen, das macht keinen Unterschied.

Irgendwann würde ich gern die internationale Gemeinschaft fragen: Habt ihr keine Augen im Kopf? Die USA haben in den letzten dreissig Jahren nichts für Somalia gemacht. Damals, 1993, haben sie zu Recht bombardiert. Das war unsere letzte Hoffnung. Aber es hat nicht gereicht. Und es sind über tausend Somalier dabei gestorben.»

Eine Mutter mit ihrem unterernährten Kind im Benadir-Spital von Mogadischu, Oktober 2011. Hungersnöte gehören zur Geschichte Somalias, genauso wie die politische Instrumentalisierung dieser humanitären Katastrophen. So musste sich das Welthungerprogramm (WFP) der Vereinten Nationen 2010 aus den von der Terrorgruppe alShabaab kontrollierten Gebieten zurückziehen – was nur in extremen Ausnahmefällen passiert. Blick auf die zerstörte Küste von Mogadischu, Juni 2007. Ein Jahr zuvor hatte sich al-Shabaab nach der Auflösung der Union islamischer Gerichte gegründet. Seither hält die Gruppierung, die sich zu al-Qaida bekennt, Somalia und die Nachbarländer mit Terrorattacken in Atem. Frauen beim Studium an der Universität Mogadischu, Februar 2012. Diese Privatuniversität wurde 1997 gegründet, mit Hilfe der Saudi-Arabischen Islamischen Entwicklungsbank ausgebaut und zählt an die 5000 Studierende, 30 Prozent davon sind Frauen. Hintergründe im Podcast: Simon Berginz spricht mit Redaktorin Sara Winter Sayilir über die Entstehungsgeschichte zu diesem Dossier. surprise.ngo/talk