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Verkäufer*innenkolumne
Was ist zuhause?

Wie jeder Schweizer habe auch ich eine ID, und da steht der Heimatort drauf, bei mir steht Langnau im Emmental – wobei, ich war nur selten dort. 

Meine Mutter ist Aargauerin, ich wuchs im Kanton Zürich auf, ich wollte aber nie Züritüütsch sprechen, ich wollte kein Zürcher sein.

Geboren bin ich in Zürich-Witikon, als ich 5-jährig war, zügelten wir nach Effretikon, dort wohnte ich, bis ich 26-jährig war, direkt beim Bahnhof, ja, Effretikon ist mein wirkliches Zuhause. 

Als ich 13 war, kam ich in eine Wohnschule für unter der Woche, da sagten einmal ein paar der anderen: «Jetzt gehen wir nach Hause» und meinten damit die Wohnschule, da antwortete ich: «Das ist kein Zuhause.» Genau gleich ging es meiner unterdessen verstorbenen Grossmutter im Altersheim, das war auch nicht ihr Zuhause. 

Als ich später selbständig in Winterthur-Töss wohnte, war diese kleine Wohnung auch nicht mein Zuhause, vor allem dann nicht, wenn ich in Töss die Kirchenglocken hörte, weil die von Effretikon viel schöner tönten. 

Man kann vieles als Daheim bezeichnen. Andere nennen eine bestimmte Sportmannschaft ihr Zuhause. Oder ein Stadion. Viele Fans empfinden das so, mir käme so etwas nie in den Sinn. 

Aber ich bin gerne unterwegs. Könnte ein Zuhause vielleicht der Zug sein? 

In der Wohnschule, in der ich lebte, stand mal eine ausgediente Sitzbank eines Eisenbahnwagens. Ein Mitschüler sagte zu mir: «Damit du dich zuhause fühlst.»

 

Michael Hofer, 40, verkauft Surprise seit 2011 in Zürich-Oerlikon. Er war lange auf der Suche nach einem Ort, wo er sich wohl fühlte. Die ständigen Wechsel der Wohn- und Betreuungssituationen waren mindestens einer zu viel, sagt er. Heute fühlt es sich in seiner eigenen Wohnung in Winterthur-Veltheim zuhause. Und zwar einfach, weil er schon seit 2010 dort wohnt.