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Die Sozialzahl
Weniger Sozialhilfebeziehende

Kurz vor Weihnachten machte das Bundesamt für Statistik auf eine erfreuliche Entwicklung aufmerksam. Die Sozialhilfequote in der Schweiz ging erstmals seit 2008 zurück und beträgt für das Jahr 2018 noch 3,2 Prozent. Bemerkenswert ist vor allem, dass die Gesamtzahl der Sozialhilfebeziehenden ebenfalls abgenommen hat. Sie reduzierte sich um rund 5600 Personen und umfasst noch 272 738 Menschen, die wirtschaftliche Hilfe von den Sozialdiensten in Anspruch nehmen. Obgleich die Entwicklung in fast allen Kantonen in dieselbe Richtung weist ist, wäre es verfrüht, von einer Trendwende zu reden. Zudem ist unklar, auf welche Ursachen dieser Rückgang zurückzuführen ist. Sicher spielt die positive Situation auf dem Arbeitsmarkt eine wichtige Rolle, obwohl die Prekarisierung der Arbeitsverhältnisse auch in der Schweiz voranschreitet.

Interessant ist in diesem Zusammenhang ein Blick auf die Situation der Ausländerinnen und Ausländer in der Sozialhilfe. Auch hier lässt sich die Sozialhilfequote berechnen, indem man die Anzahl der ständigen ausländischen Wohnbevölkerung mit jener der ausländischen Sozialhilfebeziehenden vergleicht. Diese Sozialhilfequote schwankt in den letzten zehn Jahren zwischen 5,8 und 6,1 Prozent. Dabei ging 2018 auch bei der ausländischen Wohnbevölkerung die Sozialhilfequote erstmals seit fünf Jahren wieder zurück und beträgt noch 6 Prozent. Die absolute Zahl der ausländischen Sozialhilfebeziehenden sank gegenüber dem Vorjahr ebenfalls um rund 3400 Personen auf 128 754 Menschen.

Betrachtet man einzelne Länder, so finden sich dagegen beträchtliche Unterschiede zwischen den Sozialhilfequoten. So weist die ausländische Wohnbevölkerung aus der Europäischen Union und der EFTA-Staaten mit einer Sozialhilfequote von 2,9 Prozent sogar einen geringeren Wert auf als jene der schweizerischen Wohnbevölkerung. Dies spiegelt die hohe berufliche Qualifikation der Arbeitsmigrantinnen und -migranten aus diesen Ländern wider. Ganz anders sieht das für Immigranten aus Afrika und Lateinamerika aus. Sie tragen ein sehr viel höheres Armutsrisiko. Hier betragen die Sozialhilfequoten denn auch 29,6 und 12,3 Prozent.

Menschen, die aus diesen Regionen in die Schweiz kommen, haben oft sehr viel mehr Mühe, sich in den hiesigen Arbeitsmarkt zu integrieren und eine dauerhafte Anstellung zu finden. Es ist darum folgerichtig, dass der Bundesrat in seinem Katalog von Massnahmen zur Förderung des inländischen Arbeitskräftepotenzials ein besonderes Augenmerk auf diese Bevölkerungsgruppen wirft. So soll zum Beispiel die «Integrationslehre» verlängert und ausgebaut werden. Damit werden neu spät zugewanderte Jugendliche und junge Erwachsene auf eine Berufslehre vorbereitet. Ferner werden Arbeitsintegrationsmassnahmen ergriffen, um schwer vermittelbaren Stellensuchenden mit individueller Unterstützung – Coaching, Beratung oder Mentoring – den Weg in eine Anstellung zu ebnen. Damit nimmt der Bundesrat die Bildungseinrichtungen und die Arbeitslosenversicherung in die Pflicht und entlastet so die Sozialhilfe.