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Randnotiz
Wer ist A?

A hat wieder einen furchtbaren Tag. Als er auf das iPhone starrend zum Café läuft, weicht ihm eine Frau nicht rechtzeitig aus. Blinde Kuh. Das Lokal ist natürlich schon fast voll. Wieso müssen auch alle Aargauer nach Zürich ziehen? Auf seinem Lieblingsplatz sitzt ein Typ mit Laptop. Können Hipster nicht wie alle anderen im Büro arbeiten? Ein kleines Mädchen rennt durchs Café. A sucht mit bösen Augen nach der Mutter. Die Eltern von heute erziehen ihre Kinder einfach nicht mehr. Er setzt sich und entdeckt mit Schrecken, dass der Typ neben ihm Nike-Schuhe trägt. Unglaublich, dass jemand Kinderarbeit unterstützt. Noch schlimmer: Er löffelt ein Ei. Was für ein Tierquäler. A blickt ihn angeekelt von der Seite an. Diese Nase! Sicher ein Ausländer. 

Es ist wirklich eine Qual, dass er gezwungen ist, in dieses Café zu gehen, weil alle anderen Lokale noch beschissener sind. Die Kellnerin stellt ihm den verlangten Americano hin. Obwohl er es schon bemängelt hat, gibt es hier immer noch keine ungezuckerte Sojamilch. Soll er sich etwa wegen der Unfähigkeit des Cafés noch mehr im Fitnessstudio abrackern? A konzentriert sich auf sein Handy. Er öffnet eine Social App nach der anderen. Seine Freunde posten nur Schwachsinn auf Facebook, und auf Instagram hat sein neues Foto nur zwölf Likes gekriegt. Weil der Kaffee zu heiss ist, liest A online einen Zeitungsartikel. Echt schlecht geschrieben, wie immer. Noch schlimmer sind die Leserkommentare. Wie dumm und irre doch die Leute sind. Jetzt ist der Kaffee kalt. 

Ein Penner fragt ihn nach Geld, als A aus dem Lokal flüchtet. Als ob man es sich leisten könnte, nach einem Cafébesuch in Zürich noch Geld zu spenden. Was das Fass zum Überlaufen bringt ist die Werbung im Briefkasten, obwohl da dieser fette «Bitte keine Werbung»-Sticker klebt. A überlegt sich, ob er die Firma auf dem Flyer dafür anzeigen kann. 

Wie immer war es ein Fehler, die Wohnung überhaupt zu verlassen. Das Leben in Zürich ist einfach schrecklich. Aber auf dem Land würde A sofort sterben, davon ist er überzeugt. Der arme A.