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Die Schweiz schreibt
Wer stellt wen wie dar?

Baobab Books klopfen den deutschsprachigen Kinder- und Jugendbuchmarkt auf kulturelle Stereotypen ab.

Baobab Books hat ein interkulturelles Verlagsprogramm, leistet Vermittlungsarbeit in Schulen oder Bibliotheken und gibt jedes Jahr eine Liste mit Leseempfehlungen für den deutschsprachigen Kinderund Jugendbuchmarkt heraus: den Kolibri. Die Kriterien dafür sind auch unter literaturwissenschaftlichem Gesichtspunkt interessant: «Welche Rolle nehmen Vertreterinnen und Vertreter von Minderheiten ein?» und «Wie und warum werden brutale Situationen geschildert?» Oder: «Wer hat das Recht, sich selbst darzustellen? Wer wird von anderen dargestellt?»

Nur etwa ein Drittel der Publikationen landen auf der Kolibri-Empfehlungsliste. «Es ist bemerkenswert, wie häufig stereotype Darstellungen auch heute noch sind», sagt Sonja Matheson, Geschäftsführerin von Baobab Books. «In den letzten Jahren ist eine Flut von Fluchtgeschichten erschienen, aber selten sind sie von Geflüchteten selbst geschrieben. Sehr präsent sind gut gemeinte Bücher, die europäische Autoren aus einer emotionalen Betroffenheit schreiben und nicht selten einen Mitleids-Effekt bedienen.»

Der Kolibri hat mit seiner 25. Ausgabe aktuell ein Jubiläum zu feiern. Baobab Books gibt deshalb eine Publikation mit sieben Geschichten von zehn nichteuropäischen Autorinnen und Illustratoren heraus, die in der Schweiz, in Deutschland oder Österreich auf je ganz eigene Art angekommen sind. Viele von ihnen haben mit ihrer Kunst neu Fuss gefasst. Da ist der Comiczeichner Koostela aus Brasilien, der nach Europa kam, weil er sich hier in seinem Metier besser verstanden fühlt als in seiner Heimat. Oder die Griechin Chrysa Chouliara, die in einer Fabel eigene biografische Fragen thematisiert, die ebenso sehr philosophische sind: Wer definiert, wer ich bin? Wer bestimmt, wo ich zu leben habe? Auch das iranische Geschwisterpaar Zaeri hält den Finger auf Zuschreibungen, die andere machen. Denn eine Frage, die zu den wichtigsten unserer Zeit gehört, lautet: Wer teilt wem welche Rolle zu?