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Illustration: Rahel Nicole Eisenring

Moumouni...
...zu Rassismus und Liebe

Letztens sollte ich einen Text schreiben für eine Veranstaltung, in der es um Liebe und Rassismus ging. «Schon wieder Rassismus!», dachte ich mir! Und doch: Ein guter Blickwinkel, um zu erkennen, wie perfide Rassismus ist. Die Erfindung menschlicher Rassen zeigt ihre Konsequenzen nämlich auch an vielen Orten, an denen man sie am wenigsten vermutet. Denn nicht nur die offensichtlich Ignoranten können exotisieren, Vorurteile als allgemeingültig projizieren und die essenzielle Gleichheit von Menschen verkennen. Sondern auch die, die lieben. Und es ist gar nicht so einfach, das zu besprechen, denn wer will das schon gesagt bekommen?

Du bist farbenblind vor Liebe.

Und du liebst meine Nase so vor Liebe.

Interessierst dich für Afrika so vor Liebe.

Und du siehst mich gar nicht, so vor Liebe.

Eure Mütter sind schlimmer.

Und erst die Väter.

Euren Grossmüttern stellt ihr mich gar nicht erst vor.

Wie kann ich meine Freunde vor dir schützen?

Und erst die Freund*innen.

Werd’ ich dich verlieren oder nicht?

Kann ich dich verlieren oder nicht?

Wenn ich dich verlier’, wer bin ich?

Bin grad am Verlieren ohne dich.

Du merkst es gar nicht.

Wir haben ja nur diskutiert, ganz normal.

Also, du warst ganz normal,

ich «temperamentvoll», halt emotional,

irrational.

Ihr wisst gar nicht, wie viel ich an euch denke.

Hm. Wie meinst du das, wenn du darauf bestehst, dieses Wort zu sagen?

Wenn dein Typ sagt: «Schön für ’ne Schwarze»?

Und warum muss ich dein Schokobär sein?

Damit hast du nicht gerechnet.

Damit hast du jetzt einfach nicht gerechnet.

Und ich? Zerbreche mir den Kopf.

Suche nach dem richtigen Satz, dem richtigen Knopf.

Wie soll ich’s dir sagen, wie krieg ich kein «doch»?

Ich meine, kann ich dir vertrauen?

Ich meine, dass du für mich kämpfst?

Ich meine, ja, du kennst den Traum,

aber kennst du auch das Ende?

Verteidige dich nicht

wenn ich ringe mit mir selbst.

Love, friend.

Entscheide dich für mich

und dann auch für meinen Kampf.

Manchmal will ich nicht erklären

dann gib mir einfach deine Hand.

Und die Ruhe ist der Sturm,

richtig laut wird’s erst, wenn’s leise wird.

Und dann kommt die Wut

und du hast Glück, wenn ich sie teil’ mit dir.

Denn ich blute

periodisch

frage ich mich:

warum du es dann nicht einfach so sagst

wie du es meinst wenn du es immer

nicht so meinst

wie du es sagst.

Was nun? Wieder abdecken? Ablecken?

Dicke, weisse Wundcreme? Ein Pflaster?

Oder dem Bluten auf den Grund gehen?

Was sagst du?

Und werd’ ich dich verlieren oder nicht?

Kann ich dich verlieren oder nicht?

Wenn ich dich verlier’, wer bin ich?

Bin grad am Verlieren ohne dich.