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Randnotiz
Zurück zur Basis

Ich behaupte, dass meine Heimat da ist, wo die Welt für mich in Ordnung ist. Ist sie da, wo ich aufgewachsen bin? Jahrzehntelang hätte ich diese Frage mit einem klaren Nein beantwortet. Ich fühlte mich eingeengt von den hohen Bergen. Vom Nebel, den engen Grenzen. Die unendlich langen und kalten Jahre meiner Kindheit und Jugend sassen mir in den Knochen, und ich suchte die Wärme, den endlosen Sommer, die grosse Freiheit. Nach der Ausbildung tauschte ich den engen Raum gegen die Weite der ganzen Welt ein. Ich zog in riesige Städte in fernen Ländern. Lange hielt ich es aber nirgends aus, es war, als sei es meine Bestimmung, unterwegs zu bleiben. Wäre ich des Reisens nicht müde geworden, hätte ich wohl nie daran gedacht, sesshaft zu werden. 

Bei jedem Besuch in der Schweiz begannen sich meine Eindrücke und Gefühle mehr und mehr zu verändern. Das kleine, enge Land fühlte sich für mich langsam an wie ein gemütliches Nest, in dem man geborgen und sicher ist. In der weiten, grossen Welt glaubte ich mich zu verlieren, in der Schweiz hingegen war alles überschaubar. Hier kenne ich die Kultur und die Gepflogenheiten. Ich spreche den Dialekt der Einheimischen. Hier finde ich meine Ordnung. In der Schweiz bin ich aufgewachsen, sie hat mich geprägt. Ich habe realisiert, dass ich diese heimatliche Schweiz mitnehme, egal wohin ich gehe. Auch wenn ich meine Herkunft nicht immer mag, sie ist ein elementarer Teil von mir, wenn nicht gar die Basis. 

Ich musste die Heimat verlassen, um meine Vergangenheit aufzuräumen. Bei mir dauerte das sehr lange. Ich musste langwierig eine persönliche Ordnung in die Ordnung meiner Herkunft bringen. 

Wie weit und lange lassen sich Wurzeln dehnen? Bei mir sehr weit und sehr lange, aber es wuchs stetig der Druck, dieses Bedürfnis, doch endlich anzukommen. Irgendwo, wo die Welt in Ordnung ist. Ich suchte weltweit und fand sie dort, wo meine Flucht begonnen hatte. 

Ich wage an eine Heimkehr zu denken. Es ist der Zeitpunkt in meinem Leben, nicht mehr länger vor dem wegzurennen, was ich nicht verlassen kann. Es ist Zeit, wieder nach Hause zu kommen. 

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