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Die Stadtführerinnen

Stadtführerin in Basel
Lilian Senn

Lilian Senn (60) verbringt die ersten Jahre ihres Lebens bei einer Pflegefamilie. Schon als Kind erleidet sie sexuellen Missbrauch im familiären Umfeld. Im Alter von fünf Jahren wechselt sie von der Pflegefamilie zu ihrer Familie. Gewalt und das Gefühl von Ausgrenzung sind für Lilian an der Tagesordnung.

Als junge Frau absolviert sie eine Lehre als Floristin, heiratet und bekommt zwei Söhne. Nach dem Lehrabschluss wechselt sie in den kaufmännischen Bereich, macht eine Ausbildung zur Personalfachfrau und wird Personalchefin. Das 100-Prozent-Pensum, die Familie, ein Sohn mit Geburtsgebrechen und die Weiterbildungen überlasten sie. Es folgt ein Burnout und die Scheidung nach 20 Jahren Ehe.

Lilian versucht ihr Glück als selbständig Erwerbende. Dies misslingt – auf einen Schlag ist sie mit hohen Schulden konfrontiert und muss Insolvenz anmelden. Sie absolviert eine Ausbildung als Bus-Chauffeurin und arbeitet sieben Jahre lang in Zürich und Bern. Der anschliessende Versuch, durch einen beruflichen Neuanfang Erfüllung zu finden scheitert. Sie übernimmt   Gelegenheitsjob, verschuldet sich erneut und verliert ihre Wohnung. Sie kommt mit zwei Koffern und einem Rucksack als ganzes Hab und Gut nach Basel und lebt lange auf der Gasse. Ihre Erfahrungen als Wohnungslose führen Lilian aber auch zu ihrem neuen Beruf.

Sie bezeichnet sich heute als Streetworkerin, die Menschen in Not hilft. 2017 beginnt sie bei Surprise die Ausbildung zur Stadtführerin. Zudem verkauft sie das Strassenmagazin in Basel. Seit Anfang 2018 ist Lilian als Surprise-Stadtführerin auf den Touren 1 und 2 unterwegs.