#597 Working Poor: Abstieg
Immer mehr Menschen kommen mit dem Geld, das sie erarbeiten, nicht mehr zurecht. Steigende Mieten und Krankenkassenprämien: Es sind die altbekannten Gründe, die Menschen in die Armut treiben, mit Pandemie und Teuerung ging es noch schneller. Armut ist hierzulande stark mit Scham verknüpft, es ist vielen peinlich, sich das Bier in der Beiz nicht leisten zu können, den Eintritt in den Vergnügungspark, das Fitnessabo. Lieber erfindet man Ausreden, die man den Freund*innen erzählt (und vielleicht sogar ein Stück weit sich selbst): wie beschäftigt man sei und einfach nie Zeit habe. So vereinsamen Betroffene nach und nach. Sogar vor der Person, zu der man einmal offiziell Ja gesagt hat, ist es einem unangenehm. Was für ein Versager, glaubt man, andere reden zu hören – selbst wenn dem gar nicht so ist. Klaus Petrus hat einen Bieler interviewt – und auch seine Frau – dem es so geht. Eveliina Marty hat illustriert.
In Kirgistan in Zentralasien fahren Trolleybusse – ganz wie in Zürich. Am Steuer: meistens Frauen. Die könnten das besser, behauptet ein Ausbilder. Nun ist das alte Oberleitungsnetz aus Sowjetzeiten marode, die Umrüstung auf ein neues teuer. Also setzt die Regierung neu auf Elektrobusse und schafft den Trolley ab, wie in der Hauptstadt Bischkek. Die Busfahrerinnen hingegen setzen sie auf die Strasse. Aktivist*innen wehren sich, denn sie trauen weder den E-Bussen aus China noch ihrer Regierung, erzählen Emilia Sulek und Danil Usmanov. Und Sara Winter Sayilir sprach mit Surprise Stadtführerin Lilian Senn, die ebenfalls einmal Trolleybus-Chauffeurin war.
Vor dem Kino Xenix in Zürich herrscht ein besonderes urbanes Biotop. Hier begegnen sich Subkulturen: Gruppen von Menschen mit sehr unterschiedlichen Absichten und Interessen – und es entsteht Nähe, freiwillig und ungezwungen. Ein Ort der Begegnung von Diana Frei und Pirmin Beeler.
Heini Hassler berichtet von seinen kleinen Fluchten als Kind, Fatima Moumouni und Lea Stuber beschäftigen sich mit antimuslimischem Rassismus und der gerade erschienenen Studie, Alice Galizia war in einer Ausstellung über Arbeit im Vögele Kulturzentrum, Christopher Zimmer schreibt über ein Sonnenbuch, Stephan Pörtner war in Dielsdorf und Hanna Fröhlich berichtet, wie einsam Surprise-Verkäuferin Selamawit Daniel sich fühlt als alleinerziehende Mutter einer Tochter mit Behinderung.