Skip to main content

Vom «Stempelkissen» zum Surprise

Ein Blick in die 20-jährige Geschichte des Surprise Strassenmagazins fördert Interessantes und Überraschendes zu Tage. War sein Vorgänger «Stempelkissen» noch ein unbezahltes Selbsthilfeprojekt unter Arbeitslosen, so wandelte der 1998 gegründete Verein «Strassenmagazin Surprise» das Blatt in ein professionelles Magazin um.

  • Die Ära der Strassenmagazine beginnt 1989 in New York. Mit Street News wird das erste Strassenmagazin im heutigen Stil gegründet, das kurz darauf zum Vorbild für etliche europäische Blätter wird.
  • 1991 holen das Body-Shop-Gründerpaar Gordon und Anita Roddick zusammen mit John Bird die Idee nach Europa und schaffen The Big Issue mit Sitz in Glasgow.
  • In Basel gründen Hans-Georg Heimann, Catherine Merz und Hanspeter Gysin 1993 ein Arbeitslosenkomitee, zwei Wochen später initiieren sie die Arbeitslosenzeitung «Stempelkissen» (benannt nach der Praxis des Stempelns auf dem Arbeitsamt). Dieses wird von einer grossen Gruppe Arbeitsloser selbst produziert und verkauft. Es ist ein Selbsthilfeprojekt: arbeiten im Ehrenamt, bezahlt wird niemand. Die Themen sind politisch und drehen sich um Fragen rund um die Erwerbslosigkeit. 
  • John Bird ruft 1994 das Internationale Netzwerk der Strassenzeitungen INSP ins Leben und legt damit den Grundstein für eine weltweite Bewegung.
  • 1995 schliesst sich das «Stempelkissen» mit der Zeitung des Zürcher Arbeitslosenkomitees «Kalter Kaffee – ganz heiss!» zusammen. Man beschliesst, einen griffigeren Namen zu wählen. Nicht zuletzt, weil in den Schweizer Restaurants zu jener Zeit die sogenannten «Menus Surprise» hoch im Kurs sind, kommt man auf den Namen Surprise.
  • Ab 1996 werden die kantonalen Arbeitsämter durch die Regionalen Arbeitsvermittlungszentren RAV ersetzt und Beschäftigungsprogramme ausgebaut. Die Verkäufer-Gemeinschaft zerfällt nach und nach. Die Surprise-Macher entscheiden sich, das Magazin an den neuen Geschäftsführer Michele Alvaro und seine kleine Crew zu übergeben. Weiterhin wird ehrenamtlich gearbeitet, oder die Leute werden indirekt durch einen Arbeitseinsatz vom Amt finanziert.
  • 1998 wird der gemeinnützige Verein «Strassenmagazin Surprise» ins Leben gerufen. Parallel dazu entsteht mit der Gründung der Strassenmagazin Surprise GmbH ein Lohnbetrieb mit professioneller Redaktion. Nach Vorbild des Londoner Strassenmagazins The Big Issue kommt man von den strengen Arbeitskampf-Themen weg mit dem Ziel, ein gesellschaftskritisches aber auch unterhaltsames Heft zu machen.
  • Surprise feiert im Frühjahr 2017 die 400. Ausgabe. Während des gesamten Jahres bringen 411 Verkaufende 440'625 Strassenmagazine an den Leser oder die Leserin. Sie generieren so 2017 über 2.6 Millionen Franken, die Hälfte davon geht als Lohn direkt an die Verkaufenden.
  • Surprise feiert 2018 das 20-jährige Jubiläum. Die Mindestauflage des Magazins beträgt inzwischen 17'000 Exemplare pro Ausgabe (WEMF-beglaubigt).

Zum Archiv des Strassenmagazins Surprise (ab 2011)

Surprise-Covers im Laufe der Zeit