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Die Stadtführer der neuen Berner Tour «Wege aus der Sucht»: André Hebeisen (l.) und Michel Jäggi.

«Wege aus der Sucht»
Neue Stadtführung mit Suchtbetroffenen in Bern

Viele Wege führen in die Armut. Der Verein Surprise bietet in Bern einen neuen Sozialen Stadtrundgang an. Auf der Tour «Wege aus der Sucht» erzählen zwei Betroffene vom Teufelskreis ihrer Alkohol- und Drogensucht – und zeigen auf, wie sie den Weg zurück in die Gesellschaft gefunden haben.

Der Weg in die Sucht und damit in die Armut gleicht einer Sackgasse – das wissen Michel Jäggi und André Hebeisen aus eigener Erfahrung. Die beiden Surprise-Stadtführer erzählen auf dem thematischen Sozialen Stadtrundgang «Wege aus der Sucht» in Bern, wie sie dem Alkohol und dem Heroin verfallen sind, wie sie mitten in der Sucht (über-)lebten und wie sie schrittweise den Weg zurück in die Gesellschaft fanden. Auf der rund 2-stündigen Tour zeigen sie Orte, die viele Suchtbetroffene aufsuchen und besuchen Institutionen, die Süchtige mit Arbeits- und Wohnprogrammen unterstützen.

Schritt für Schritt zurück ins Leben

Michel Jäggi (geb. 1972) lernte die massiven Auswirkungen der Suchterkrankungen schon in frühen Jahren kennen: Er war Teil der «Platzspitz-Jugend», die den Drogenkonsum anfänglich als eine «Flucht ins Abenteuer» wahrnahm. Bald verlor Michel jedoch die Kontrolle und damit auch seinen Job bei den SBB. Seinen ersten Heroinentzug machte er bereits mit Anfang Zwanzig. Es folgte eine zweijährige Therapie – und ein Rückfall, der ihn ganz unten ankommen lässt. Dank einer stabilen Wohngemeinschaft und der kontrollierten Heroinabgabe hat Michel Schritt für Schritt wieder zurück ins Leben gefunden. «Durch den Sozialen Stadtrundgang mit Surprise will ich anderen Menschen von meinen Erfahrungen erzählen und Mut machen, nie die Hoffnung zu verlieren», sagt er.

Vom Burnout zum Alkoholiker

André Hebeisen (geb. 1969) arbeitete jahrelang als Disponent bei einer grossen Baufirma. Die Beförderung zum Abteilungsleiter brachte mehr Verantwortung – und mehr Druck. Er versuchte, den Stress mit Alkohol abzubauen. 2010 ging dann auf einmal nichts mehr. Diagnose: Burnout. André verlor seinen Job und es begann eine Odyssee von Klinikaufenthalten, Arbeitsintegrationsprogrammen und Alkoholabstürzen. Erst als er 2014 in einem betreuten Wohnheim kurz vor dem Rausschmiss stand, machte es bei ihm auf einmal «Klick». Seither trinkt er keinen Tropfen Alkohol mehr. Sein Ziel ist es, in den 1. Arbeitsmarkt zurückzufinden und finanziell wieder auf eigenen Beinen zu stehen. Auf seiner Tour erzählt er, wie es für ihn war, plötzlich als Sucht- und Armutsbetroffener am «Rande der Gesellschaft» zu stehen.

 

Infos zum Sozialen Stadtrundgang «Wege aus der Sucht»

Besuchte Orte:

  • Kleine Schanze
  • Bahnhofplatz
  • Schützenmatte
  • Lorrainepärkli

Besuchte Institutionen:

  • Heiliggeistkirche
  • LOLA Lorraineladen
  • Restaurant 44 WOhnenbern

Zeit:  ab 16. Januar jeweils dienstags, 14:00 – 16:00 Uhr, sowie donnerstags, 17:00 – 19:00 Uhr

Start: Parkcafé Kleine Schanze (hinten links bei den öffentlichen Toiletten)

Buchen Sie hier...

Weitere Infos: Helen Kilchhofer, T +41 31 558 53 91, helen.kilchhofer@surprise.ngowww.surprise.ngo/stadtrundgangbe/