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Der ehemals obdachlose Benno Fricker ist ab Dezember 2020 Stadtführer bei Surprise (Foto: Lucia Hunziker).

Basel aus der Sicht eines Obdachlosen

Der ehemals obdachlose Benno Fricker zeigt auf einem neuen Sozialen Stadtrundgang, wie er unter Bäumen und Brücken gelebt hat, welche Institutionen ihm auf der Gasse geholfen haben und welche Auswirkungen die Corona-Massnahmen auf Obdachlose haben.

Vier Jahre lebte Benno Fricker als Obdachloser in Basel – das ganze Hab und Gut in einem 30-Kilo-Rucksack verstaut. Wie es dazu kam, und wie er seinen Alltag auf der Gasse organisiert hat, erklärt der Surprise-Stadtführer ab sofort im neuen Sozialen Stadtrundgang «Obdachlos in Basel».

Auf der Tour durch das obere Kleinbasel erleben Interessierte hautnah und ganz konkret, was es heisst, obdachlos zu sein. Benno Fricker führt durch seine öffentliche «Wohnung» in Parkanlagen und auf der Gasse. Er zeigt, wie man auch kalte Winternächten draussen überlebt und wie man sich den Alltag als Obdachloser organisieren muss: die wenigen Duschen, Waschmaschinen und Schliessfächer sowie die Institutionen für das tägliche Essen, den Internet-Zugang und die Schlafsack-Ausgabe sind über die ganze Stadt verteilt.

 

Konkurse, Temporärjobs, Schulden

Es gibt viele Wege in die Armut und Obdachlosigkeit: über Sucht, psychische Erkrankungen, Schicksalsschläge oder auch Arbeitslosigkeit. Anhand seiner Biographie erzählt Benno Fricker, wie eine geordnete Existenz mit Ausbildung, Arbeit und Wohnung unter den Folgen von Firmen-Konkursen, Temporärjobs und Schulden allmählich zerbricht. Die Besucher*innen erhalten einen persönlichen Einblick in seinen jahrelangen Kampf gegen den sozialen Abstieg und seine Strategien des Überlebens. Auf der Tour erfährt man auch politische Hintergründe und Fakten zur Lage von Obdachlosen in Basel. Ausserdem erzählt Benno Fricker, weshalb die aktuellen Corona-Massnahmen für Obdachlose und Armutsbetroffene besonders gravierend sind.

«Durch dieses Jahr der Ausbildung bei Surprise habe ich eine noch tiefere Sicht auf die Armut und Obdachlosigkeit in der Schweiz erhalten», sagt er. «Ich hoffe, ich kann die Tourbesucher sensibilisieren, dass auch sie lernen, eine andere, verständnisvollere Sicht auf Menschen in schwierigen Lebenslagen aufzubringen. Und wenn es immer nur kleine Steinchen sind, die ins Rollen geraten, so mögen sie doch helfen, den Graben zwischen arm und reich wieder zuzuschütten.»

 

Vorurteile abbauen

Sybille Roter, Angebotsverantwortliche Soziale Stadtrundgänge bei Surprise, hat Benno Fricker zum Stadtführer ausgebildet und ihn dabei ein Jahr lang intensiv begleitet. «Das Besondere an der Tour ist, dass ein ehemals Obdachloser die Besuchergruppen an seinem damaligen Leben teilhaben lässt», sagt sie. Er führe an seine Schlafplätze und zeige auf, wie es sich anfühlt, vollkommen schutzlos zu sein. So erleben die Besucher*innen Basel aus einer neuen Perspektive und Vorurteile werden abgebaut.

Besuchte Orte und Institutionen:

  • Solitude-Park
  • Notschlafstelle, Alemannengasse
  • Gassenküche, Lindenberg
  • Hatstätterhof, St. Clara Pfarrei, Lindenberg

Zeit: Ab 2.12.2020 täglich zwischen 12-18 Uhr (nach Vereinbarung auch am Morgen)

Start: Solitude-Park (beim Spielplatz)

Tour buchen

Weitere Infoswww.surprise.ngo/stadtrundgangbs
oder Paloma Selma, T +41 61 564 90 40,