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Tour de Suisse
Pörtner in Murten / Morat

Surprise-Standort: Bahnhof

Einwohner*innen: 8239

Anteil Ausländer*innen in Prozent: 19,0

Sozialhilfequote in Prozent: 3,4

Tiefste Stelle im See: 44 m (Genfersee 310 m, Bodensee 251 m)

 

Rechts das Hotel Bahnhof, links der Medic Integral. Murten ist zweisprachig. Hier fand – lange ist es her – ein Teil der Expo statt, als das Land sich fragte, ob und wie es modern sein wollte und die Kulturschaffenden irgendwie mitmachten und irgendwie dagegen waren und es irgendwo nicht mit rechten Dingen zuging und die Führung ausgewechselt wurde oder war das an der 700-Jahr-Feier? 

Selbstbewusst zeigt der Wegweiser Richtung City, ein Ausdruck, der so gar nicht zu dem stadtmauerumwehrten Städtchen passen will, in dem es neben 7 Hotels und 25 Restaurants auch noch 1 Tabakladen gibt. Vor dem Geschäft für Espressomaschinen stehen Gestelle mit einem «Gratis»-Zettel daran. Tatsächlich sind Interessent*innen mit einem Lieferwagen vorgefahren. Oft sind solche «Gratis- oder «Zum Mitnehmen»-Zettel nicht viel mehr als schlechte Tarnung für illegal entsorgtes Sperrgut, hier aber handelt es sich offenbar um brauchbare Ware.  

Die Innenstadt zeugt von Konstanz, und «Constanten» sind denn auch auf einer Säule vermerkt, die der Verkehrsverein vor 117 Jahren errichtet hat. Die mittlere Jahrestemperatur wird mit 8,8 Grad angegeben. Möglich, dass sie inzwischen gestiegen ist. An diesem Frühlingstag nach Abflauen der Bise ist es deutlich wärmer, 15 Grad zeigt das in die Säule eingelassene Thermometer. Wahrscheinlich immer noch gleich hoch ist der Stand des Sees, der mit den sanften Hügeln und Schneebergen einen beliebten und durchaus reizvollen Hintergrund für Selfies und Ausflugsfotos bildet. Es fehlen ganz offensichtlich die Tourist*innen, die sonst busladungsweise herangekarrt würden. Die Einheimischen sitzen auf der Terrasse ihres schmucken Hauses und scheinen die Wärme zu geniessen. Vielleicht sind sie aber auch zur Untätigkeit verdammt und würden lieber ihrer Arbeit im Gastgewerbe oder Fremdenverkehr nachgehen. 

Von keinen Sorgen geplagt werden die Kinder auf dem Spielplatz. Spielplätze gibt es alle naslang, dazwischen Kunstinstallationen oder ist es die zusammen mit «Café to Go» – das ein vorbeischlendernder Mann seiner Frau als Kaffee Togo vorliest – auf einer davor angebrachten Schiefertafel angekündigte Osterdekoration einer nahen Boutique? Ein einziger Neubau steht am Seeufer, gegenüber einem Tätowierstudio mit dem etwas unglücklich gewählten Namen «Doubt Tattoos». 

Wenig Zweifel besteht daran, dass Murten ein hübsches Städtchen ist, da stört nicht einmal der plötzlich aufkreischende Baulärm. So hübsch, dass es leichtfällt, sich diese Gegend als Feriendestination vorzustellen, sollten Reisen ins Ausland auch diesen Sommer nicht möglich sein. Von der Entspanntheit des Städtchens zeugen die Boulespieler vor dem Schloss und der Aufkleber der «Hängerz Murten» auf dem öffentlichen Papierkorb. Ihr Maskottchen ist das faszinierende und seine Energie vorbildlich sparsam nutzende Faultier. Die Bäume sind mit Bändern verziert. Sie sind Teil eines Licht-Rundganges, der erst in der Nacht zur Geltung kommt und zu einer Zeit geplant wurde, als man noch zuversichtlich war, dass bald wieder alles seinen gewohnten Gang gehen würde.