Skip to main content
Die Sozialzahl
Ausbildung und Familie

Vor 50 Jahren lag in der Schweiz das durchschnittliche Alter von Frauen bei der Erstgeburt bei etwas mehr als 25 Jahren. Inzwischen sind die Frauen im Schnitt über 31 Jahre alt, wenn sie ihren ersten Nachwuchs zur Welt bringen. Wie ist diese Entwicklung zu erklären? Sicher spielen soziale Veränderungen hin zu individualisierten biografischen Verläufen jenseits von Milieus und sozialer Kontrolle eine grosse Rolle. Auch die Bedeutung von Verhütungsmitteln darf nicht unterschätzt werden. Noch wichtiger dürften aber wirtschaftliche Gründe sein, und damit verbunden die besseren Chancen für Frauen auf dem Arbeitsmarkt.

Bei den Geburtsjahrgängen 1934 bis 1943 waren noch rund 67 Prozent der Frauen mit einer Grundausbildung sowie rund 50 Prozent der Frauen mit einem Tertiärabschluss unter 30 Jahre alt. Inzwischen beträgt dieser Anteil bei Frauen mit einem tieferen Abschluss bei den Geburtsjahrgängen 1974 bis 1983 rund 42 Prozent, bei Frauen mit hochqualifiziertem Abschluss aber nur noch rund 14 Prozent. In der Regel gilt also: Je länger die Ausbildung dauert, desto älter sind die Mütter bei ihrem ersten Kind.

Dieser Zusammenhang ist für die demografische Entwicklung in der Schweiz von grosser Bedeutung. Der Anteil der Frauen mit einem Tertiärabschluss ist nämlich in den letzten drei Jahrzehnten markant gestiegen. Zwei von fünf Frauen haben inzwischen ein Hochschuloder ein Universitätsdiplom. Es überrascht darum nicht, dass die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau in der Schweiz seit Jahren bei 1,5 liegt und der Anteil der qualifizierten Frauen, die ohne Kinder bleiben, ansteigt.

Frauen in Ausbildung verfügen oft über ein geringes Einkommen. Die staatlichen Zulagen vermögen die zusätzlichen Ausgaben für ein Kind nicht zu decken. Zudem sind Ausbildung und Familie nur schwer zu vereinbaren. Wenigstens haben immer mehr Hochschulen und Universitäten Kindertagesstätten, auch wenn diese zusätzlich auf das ohnehin knappe Budget drücken.

Der gravierendste Punkt ist aber, dass Hochschulen und Universtäten zu wenig Möglichkeiten bieten, um eine Ausbildung zu unterbrechen oder zu verlängern. Auch Teilabschlüsse mit Zertifikat kennt die Schweiz kaum. Der Tertiärabschluss ist wenig familienfreundlich. Die Vereinbarkeit von Ausbildung und Familie steht weder auf der sozialnoch arbeitsmarktpolitischen Agenda.