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Foto: Bodara

Strassenverkaufende
«Bei Surprise bin ich mein eigener Chef»

Luca Caluori, 41, kennt jede Zugstrecke der Schweiz. Sein Sehnsuchtsort aber ist Hamburg.

«Ich bin Luca Caluori. Der Nachname verrät wohl sehr schnell meine Bündner Wurzeln. Meine Kindheit habe ich aber leider nicht im schönen Bündnerland verbracht. Wegen der beruflichen Karriere meines Vaters – erst war er Polizist, dann Altersheimleiter und später Berater – wechselten wir immer wieder den Wohnort. Meine ersten Lebensjahre verbrachte ich in Churwalden, dann lebten wir in Rapperswil-Jona. Dort besuchte ich auch die Sonderschule. Als meine Mutter später ebenfalls mehrfach ihren Job wechseln musste – sie war Abteilungsleiterin in psychiatrischen Kliniken, unter anderem im Burghölzli und Schlössli –, zogen wir in ein Haus im Zürcher Oberand, nahe bei Rüti. Dies war unsere letzte gemeinsame Station als Familie. Als Teenager kam ich ins Internat, später absolvierte ich eine IV-finanzierte Anlehre als Koch bei der Stiftung Wabe. Ich habe auch einige Jahre im Wohnheim des Behindertenzentrums Wabe gelebt. Vor sieben Jahren organisierte mir meine Familie zum Glück ein eigenes Heim in Schaffhausen.

Seit einem Monat teile ich meine Wohnung mit einem Arbeitskollegen. Das passt eigentlich ganz gut so. Mein Mitbewohner ist Surprise-Stadtführer in Zürich. Wir haben uns vor einem Jahr im Niederdorf kennengelernt. Ich erzählte ihm, dass ich auf der Suche nach Arbeit bin, und so kam ich zu Surprise.

Zuvor arbeitete ich mein Leben lang als Koch, so etwa im Schloss Laufen, im Restaurant Limmathof oder im Gasthaus Krone in Zürich-Altstetten. Diesen Job habe ich sehr gerne gemacht. Bei Surprise bin ich jedoch mein eigener Chef, ich bin viel unterwegs, unter Leuten und kann meine Arbeitszeiten selber bestimmen. In der Küche war ich immer in vier Wänden eingesperrt. Für eine Person mit grossem Reisedrang eine komische Vorstellung. Im Moment gefällt mir mein «Verkäuferleben» an verschiedenen Orten der Schweiz sehr gut.

Ich bin auch ein grosser Eisenbahnfan. Ich weiss genau, auf welchen Strecken welche Züge fahren. Wenn möglich, vermeide ich Interregiozüge – dafür fahre ich gerne mit dem Intercity oder dem Railjet. Seit meine Mutter mir ein GA gekauft hat, unternehme ich an den Wochenenden regelmässig GA-Reisen. Eine meiner Lieblingstrecken ist Zürich-Lugano, eine sehr schöne Route entlang der vielen Seen. Auch für Surprise bin ich viel mit dem Zug unterwegs. Ich verkaufe in Landquart, Chur, Buchs und Schaffhausen. Jeder dieser Standorte hat Vorund Nachteile. In Buchs hatte ich bereits nach einem Jahr viele Stammkund*innen, die genau wissen, wann ich dort verkaufe. In Buchs freuen sich die Leute auch immer ganz fest, wenn eine neue Ausgabe herauskommt. In Chur kaufen die Leute weniger, dafür geben sie auch ab und zu «en Batze», ohne ein Heft zu wollen. In Landquart und Schaffhausen läuft der Verkauf meistens weniger gut als in Chur oder Buchs – in Schaffhausen kann ich dafür auch gut arbeiten, wenn ich nicht so fit bin und ab und zu in meine Wohnung zurück möchte.

Ich verbringe viel Zeit in Zürich, meine Lieblingsstadt in der Schweiz. Ich mag besonders das Niederdorf mit seinen schönen alten Häusern, zudem ist es die einzige «Grossstadt» der Deutschschweiz. Meine absolute Lieblingsstadt ist jedoch Hamburg, dort gibt es den Hafen. In Hamburg habe ich auch Freunde aus der GastroSzene, die ich regelmässig besuche. Ich verbringe dort ein bis zwei Wochen im Jahr, meistens wenn ich Geburtstag habe. Eines meiner grössten Ziele ist es, einmal in Hamburg zu leben. Denn auch wenn ich mein jetziges Verkäuferleben in der Schweiz mag – ich bin wohl nicht nur ein Reisefan, sondern auch ein Grosstadtmensch.»