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Illustration: Rahel Nicole Eisenring

Moumouni...
...erzählt ein Märchen

Es war einmal ein Typ. Ein Typ, der typisch für den Typ Typen war, der er war. Man konnte ihn also, wenn man dem Wort nicht allzu abgeneigt war, als ganz normalen Typen bezeichnen. Er sah normal aus, war normal gross, normal angezogen und wenn er sprach, dann sprach er ganz normal. Über verschiedene Dinge, aber allesamt ganz normal.

Und atmen konnte er: Ganz normal! Ein und aus. In den Bauch und aus der Nase oder dem Mund, ganz normal halt.

Hier ein kleiner Unterbruch zu Forschungszwecken: Wer stellt sich einen weissen Mann vor? Richtig. Oder egal!

Ein richtiger Mann, aber irgendwie auch ein normaler Mann. Er mochte Hunde. Wenn er fettige Haare hatte, dann wusch er sie. Obwohl, ab und zu hatte er das Gefühl, dass sie besonders gut sassen, wenn sie fettig waren, und weniger, wenn frisch gewaschen, und so zögerte er das Waschen manchmal noch ein oder zwei Tage heraus, um ein oder zwei Tage eine herausragende Friese zu haben. Aber das ist ja normal! Er blinzelte, wenn er in die Sonne schaute. Manchmal musste er dann auch niesen. Komisch, aber für ihn normal, denn er hatte sich daran gewöhnt. Der Typ hatte einen normalen Freund. Und manchmal trafen sie sich auf ein Bier, wie ganz normale Freunde das tun, und dann redeten sie und erzählten sich ganz normale Sachen. Eines Tages, als die beiden wie sonst manchmal auch im Wald spazieren gingen, passierte etwas Aussergewöhnliches: Sie hatten mal wieder über irgendetwas Normales gesprochen und hörten dabei um sich herum nichts [... nichts, nichts, ichts ...].

Ausser ...? Sie horchten auf. Nein, nichts! «Doch. War da was?» [... as, as ...]

«Irgendetwas ist komisch», sagte der eine Typ, «das ist nicht normal!» [... nicht normal, icht ormal, mal, al, al ...]. Und so beschlossen sie, dass es das, was sie gehört hatten, nicht gab.

Bis es lauter wurde.

«Was ist denn das für ein Lärm?!», riefen sie in ihren Wald hinein.

Und komisch: fast genauso kam es zurück: «Verrückt!» [... ückt, ück, ück ...]

Sie bekamen Angst und waren wütend zugleich: «Was ist das?» [... das, as, as ...]

«Wer seid ihr?» [... eid ihr, ihr, ihr ...]

«Man kann ja gar nichts mehr sagen!»

[... sagen, agen, agen, gen, gen ...], riefen sie laut und deutlich und ein bisschen empört – oder sagen wir: besorgt – in den Wald hinein. Und immer wieder kamen ein paar ihrer Silben zurück. Plötzlich erwachte der ganze Wald zum Leben: Vögel flogen auf, Vögel, die die Typen noch nie zuvor gesehen hatten (obwohl diese schon immer in dem Wald gewohnt hatten). Komische Vögel flogen auf in ihrer ganzen Pracht, und manch einer kackte den Typen einfach auf den Kopf. Manche zwitscherten laut oder krächzten oder piepsten oder machten: «Klackklackklack, klack! Klacklacklack!» Und es war so laut! Und das Kacken auf den Kopf, das war unausstehlich! Die Typen merkten gar nicht, dass sie unter einem Baum standen. Sie merkten auch nicht, dass sie einfach einen Schritt zur Seite hätten gehen können, dann wäre ihnen nicht so oft auf den Kopf geschissen worden. Doch sie blieben unter dem Baum. Weil sie schon oft und eigentlich immer auf ihrem Waldspaziergang dort gestanden hatten. «Darf man jetzt nicht mehr unter Bäumen stehen oder was?» [... was, as, as ...]

«Das ist Zensur!» [ur, ur, ur ...],

riefen sie und blieben weiter unter dem Baum stehen. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann stehen sie dort noch heute.