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Die Sozialzahl
Staatliche Umverteilung?

Ist der Steuerund Sozialstaat Schweiz eine grosse Umverteilungsmaschine? Sind die Einkommen von Haushalten «nach Staat» gleichmässiger verteilt als «vor Staat»? Führt also staatliches Handeln zu einer Umverteilung von oben nach unten – oder doch eher von unten nach oben?

Die Einkommen, die Haushalte erzielen, bevor sie ihren Obolus an den Staat abgeliefert haben und bevor sie Sozialleistungen vom Staat beziehen konnten, sind bekanntermassen unterschiedlich hoch, selbst dann, wenn man die Haushaltsgrösse berücksichtigt und die Rentnerhaushalte weglässt. Die 10 Prozent einkommensschwächsten Haushalte generieren gerade einmal 1,8 Prozent des gesamten Einkommens aller Haushalte, die einkommensstärksten 10 Prozent rund 25 Prozent. Oder nochmals anders formuliert: Die unteren 70 Prozent der Erwerbshaushalte erzielen zusammen knapp gleich viel Einkommen wie die oberen 30 Prozent.

Auf diese Einkommen wirkt nun der Steuer- und Sozialstaat ein. Die Erwerbshaushalte haben Steuern zu zahlen und leisten Sozialversicherungsbeiträge. Beides ist einkommensabhängig. Dazu kommt die Krankenversicherungsprämie, die sich als einzige Sozialabgabe nicht am Einkommen orientiert. Doch der Steuer- und Sozialstaat nimmt nicht nur, er zahlt auch: Renten und Taggelder an invalide oder arbeitslose Menschen, Kita-Subventionen, individuelle Prämienverbilligung, Ergänzungsleistungen oder Sozialhilfe. Mit diesem Nehmen und Geben beeinflusst der Steuer- und Sozialstaat nicht nur die materielle Situation jedes Erwerbshaushaltes, sondern verändert auch die Einkommensverteilung in der Schweiz. Doch in welche Richtung und in welchem Ausmass?

Tatsächlich ist die Einkommensverteilung in der Schweiz «nach Staat» etwas weniger ungleich als «vor Staat», wie ein Vergleich der beiden Einkommensverteilungen zeigt. Die 10 Prozent einkommensschwächsten Erwerbshaushalte kommen nun auf einen Anteil von 2,5 Prozent am gesamten Einkommen aller dieser Haushalte, während die 10 Pro- zent einkommensstärksten Erwerbshaushalte «nur» noch einen Anteil von 22,8 Prozent erreichen. Doch noch immer kommen die unteren 70 Prozent der Erwerbshaushalte etwa auf gleich viel Einkommen wie die oberen 30 Prozent. Die grosse Umverteilung im Steuerund Sozialstaat Schweiz findet also nicht statt. Weder von oben nach unten noch von unten nach oben. Die tiefsten Einkommen werden etwas angehoben, die obersten Einkommen sehr moderat gesenkt.

In der breiten Mittelschicht passiert praktisch nichts.

An diesen Einkommensverhältnissen hat sich über viele Jahre hinweg in der Schweiz wenig geändert, weder zum Guten noch zum Schlechten. Mit der aktuellen Einkommensverteilung steht die Schweiz im internationalen Vergleich im Mittelfeld der wirtschaftlich führenden Länder. Grossbritannien oder die USA haben wesentlich schiefere Einkommensverteilungen, die skandinavischen Länder kennen mehr Einkommensgleichheit. Den weltweit feststellbaren Trend zu einer Verschärfung der Einkommensungleichheit macht die Schweiz bis jetzt nicht mit.