Skip to main content
Die Sozialzahl
Teilzeit und Gender

Im zweiten Quartal 2017 arbeiteten in der Schweiz 1,7 Millionen Erwerbstätige Teilzeit, das sind knapp 37 Prozent aller Erwerbstätigen. Vor 20 Jahren waren es rund 28 Prozent. 59 Prozent der Frauen, aber nur 18 Prozent der Männer sind nicht vollzeitlich beschäftigt. Die Quote hat sich bei den Männern seit 1997 fast verdoppelt, bei den Frauen ist sie nur um etwas mehr als fünf Prozentpunkte angestiegen.

Ist das für die Familienpolitik eine positive Botschaft? Arbeiten heute mehr Männer teilzeitlich, weil sie sich stärker in der Care-Arbeit engagieren, häufiger zu den Kindern schauen oder sich an der Betreuung und Pflege von Familienangehörigen beteiligen? Zweifel sind angebracht, wenn man sich die aktuellen Zahlen der Schweizerischen Arbeitskräfteerhebung SAKE genauer ansieht.

Zum Beispiel verlaufen die zeitlichen Kurven der Teilzeitquoten zwischen den Geschlechtern sehr unterschiedlich. Bei den Männern ist die Teilzeiterwerbstätigenquote (Anteil der Teilzeiterwerbstätigen an allen Erwerbstätigen in der entsprechenden Altersklasse) bei den 20bis 29-Jährigen sowie bei den 60bis 74-Jährigen am höchsten. Das deutet darauf hin, dass Männer hauptsächlich während der Ausbildungszeit sowie kurz vor und kurz nach dem Erreichen des Rentenalters zu einem reduzierten Beschäftigungsgrad arbeiten. In den Phasen der Familiengründung und der Kinderphase hingegen sinkt die männliche Teilzeitquote. Ganz anders sieht der Verlauf der Teilzeiterwerbstätigenquote bei den Frauen aus. Hier finden sich die höchsten Teilzeiterwerbstätigenanteile zwischen 40 und 54 Jahren, also in jener Zeit, wo es um die Betreuung der Kinder und die Wahrnehmung weiterer familiärer Verpflichtungen gegenüber älteren Familienangehörigen geht.

Offensichtlich übt die Lebensund Familiensituation einen bedeutenden Einfluss auf den Beschäftigungsgrad von Frauen und Männern aus. Männer arbeiten am häufigsten Teilzeit, wenn sie alleinlebend sind. In familiären Lebenssituationen mit Kindern unter 25 Jahren nimmt hingegen die Vollzeiterwerbstätigkeit zu. Nur jeder zehnte Vater ist zu einem reduzierten Pensum erwerbstätig. Bei den Frauen ist genau der gegenteilige Verlauf zu beobachten. Alleinlebende Frauen arbeiten am seltensten Teilzeit im Vergleich zu anderen Lebenssituationen. Leben Kinder und Jugendliche in einem Haushalt, so arbeiten acht von zehn erwerbstätigen Frauen nur noch teilzeitlich.

Noch einmal wird das geschlechtsspezifische Muster der Teilzeitarbeit sichtbar, wenn nach den Gründen für die Teilzeitarbeit gefragt wird. Während Frauen am häufigsten angeben, zu einem reduzierten Pensum erwerbstätig zu sein, weil sie Betreuungsaufgaben in der Familie wahrnehmen, sind bei den Männern die häufigsten Gründe das mangelnde Interesse an einer Vollzeitstelle oder die Ausbildungssituation.

So erfreulich also auf den ersten Blick die über die letzten zwei Dekaden angestiegene Teilzeiterwerbstätigenquote bei den Männern ist, so zeigt die detaillierte Analyse, dass damit für die Frage der gemeinsamen Wahrnehmung familiärer Aufgaben zwischen Mann und Frau noch wenig gewonnen ist. Vielmehr deuten die aktuellen Daten darauf hin, dass nach wie vor die traditionelle Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern dominiert. Der «neue Mann» bleibt ein seltenes Wesen.