Skip to main content
Verkäufer*innenkolumne
Theresa und ich

URS HABEGGER (64) lebt seit zwölf Jahren vom Surprise-Verkauf in Rapperswil (SG). Er hat schon als Junge in einem Kindertheater mitgespielt, später gab er Kinderkonzerte mit selbstgeschriebenen Kinderliedern. Seine komödiantischen Vorbilder sind Ruedi Walter und das Cabaret Rotstift.

«Ich Tarzan – du Jane». Oder: «Madame Présent und Monsieur le Président». Aber auch einfach nur: «Bäse». So, aber auch ganz anders könnte unser Debüt-Comedy-Programm heissen. Das Comedy-Programm von Theresa und mir. Aber sie will nicht! Dabei: Wir sind echt gut – und obendrein saukomisch – Theresa und ich. Aber sie will nicht. Zusammen könnten wir

die Bühnen dieser Welt erobern – locker – Theresa und ich. Wir hätten allemal das Zeug dazu – Theresa und ich. Aber sapperlottnochmal: Sie will nicht. Seit Jahren nörgele ich vergeblich an ihr herum, bezirze sie, umwerbe sie. Doch sie bleibt standhaft bei ihrem kategorischen Nein. Obwohl ich gegen Standhaftigkeit im Allgemeinen nichts einzuwenden habe – ich lobe sie! –, finde ich doch: Alles zu seiner Zeit. Jetzt ist der Moment, etwas zu wagen. Immerhin geht es in diesem Fall um die grosse Karriere zweier prächtiger Comedians. Aber nein, sie will partout nicht: Immer nur üben, üben, üben. Glauben Sie mir: Wir üben täglich mehrmals in der Bahnhofunterführung zu Rapperswil. Am Morgen, wenn sie vorbeigeht, am Mittag, wenn sie vorbeigeht, und am Abend, wenn sie vorbeigeht. Unserer komödiantischen Phantasie sind schier keine Grenzen gesetzt. Mal trällere ich ihr meine selbstkomponierten Melodien inklusive Beat vor. Dann machen wir Comedy über die Hagebutten, denn Theresa hat auf dem Gemüsemarkt doch tatsächlich, als Dekor für ihr Büro, ein paar kahle Zweige Hagebutten gekauft, ich nenne das Bäse. Oder über Suppen, die kalt werden. Highlights über Highlights! Oder über Sinn und Zweck von Norden und Süden. Extraklasse ist auch unsere Comedy über den blauen Regenschirm, ihren blauen Regenschirm, den ich so gemocht habe, der ihr aber davongelaufen ist, wie Theresa steif und fest behauptet. Dabei hat sie ihn ganz einfach verloren. Mal üben wir uns in stummer Gestik, so eine Art von Pantomime. Dann hauen wir auch mal ordentlich auf den Putz und machen auf Streit der gehobenen Klasse, sie als Madame Présent und ich als Monsieur le Président. Theresa legt halt Wert auf Niveau, Gassenhauer kommen bei ihr nicht infrage.

Mir soll’s recht sein. Wenn sie nur endlich mit mir die Bretter, die die Welt bedeuten, besteigen würde!

Ich verstehe Theresa. Sie hat es mir nie gesagt, aber ich weiss, was sie denkt: Schuster, bleib du mal schön bei deinem Leisten.

 


*Die Texte für diese Kolumne werden in Workshops unter der Leitung von Stephan Pörtner und Surprise erarbeitet. Die Illustration zur Kolumne entsteht in Zusammenarbeit mit der Hochschule Luzern – Design & Kunst, Studienrichtung Illustration.