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Strassenchor

Rundum stark

2025 absolvierte unser Strassenchor so viele Konzerte wie noch nie. Ganze achtzehn Mal standen unsere Sänger*innen im Rampenlicht. Es waren immer spezielle Augenblicke: der berührende Auftritt im Altersheim genauso wie die mitreissende Performance am regionalen Festival oder der Gänsehautmoment auf der international renommierten Kulturbühne. Das wirkte sich natürlich äusserst positiv auf das Selbstwertgefühl der Teilnehmer*innen aus. Zusammen mit der weiter ausgebauten sozialarbeiterischen Begleitung und der ungebrochen grossen Zahl an soziokulturellen Aktivitäten gelang es uns, ein ganzheitliches Angebot für die gesellschaftliche Teilhabe ausgegrenzter marginalisierter Menschen zusammenzustellen.

Niederschwellig begleiten, Selbstwirksamkeit stärken

Ein aktiver Austausch und eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe sind beim Strassenchor selbstverständlich. © Ismael Lorenzo.

Im letzten Jahr bestand ein wichtiges Ziel darin, die Sänger*innen stärker in die Programmgestaltung einzubinden, um ihr Vertrauen in ihre musikalischen und persönlichen Fähigkeiten zu stärken. Durch ihr aktives Mitgestalten wurden individuelle Fähigkeiten, Erfahrungen und Talente sichtbar und von unserem Team gezielt gefördert. Das steigerte das Selbstvertrauen, die Motivation und die Identifikation mit dem Chor und hatte somit direkte positive Auswirkungen auf die psychische Gesundheit der Beteiligten.

Manche der persönlichen Herausfor-derungen der Teilnehmer*innen übersteigen die Unterstützungsmöglichkeiten, die wir im regulären Ablauf leisten können. Deshalb steht der Angebotsleitung seit 2022 eine sozialarbeiterische Unterstützung zur Seite, was sich auch im letzten Jahr bewährt hat. Die geleisteten Beratungsstunden haben sich aufgrund der teilweise belastenden und instabilen Lebenssituationen von knapp fünfzig im Jahr 2024 auf über 170 im Berichtsjahr stark erhöht. Regelmässige Sprechstunden sowie die Begleitung bei den wöchentlichen Proben, den Auftritten und den sozialen Anlässen halfen, individuelle Herausforderungen frühzeitig zu erkennen und aufzufangen. Dadurch konnten wir Abbrüche vermeiden und die Kontinuität des Chors weitgehend sicherstellen.

Grosse Wirkung auf grossen (und kleinen) Bühnen

Die einmalige Kulisse der «Arc Nova» am Lucerne Festival. © Mathyas Kurmann

Ein besonderer Höhepunkt war im Jahr 2025 die grosse Zahl an Einladungen zu ganz unterschiedlichen Events an verschiedenen Orten: Das Spektrum reichte von sozialen Institutionen über kirchliche Anlässe und renommierte Festivals bis zu kulturellen Grossveranstaltungen. Die Teilnahme an regionalen und nationalen Formaten wie dem Integra Festival in Liestal, am ESC-Rahmenprogramm und an der Chornacht in Basel sowie der Auftritt im Rahmen des renommierten Lucerne Festival stärkten die öffentliche Sichtbarkeit des Chors nachhaltig und zeigten eindrücklich, dass der Strassenchor mittlerweile sowohl als soziales wie auch als künstlerisches Kulturprojekt ernst genommen wird.

Neben der direkten positiven Wirkung, die die erfahrene Wertschätzung, die Zugehörigkeit und die Sichtbarkeit auf die Sänger*innen hat, war diese Präsenz auch ein wichtiges Werkzeug zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit. Mit den Auftritten konnten wir erneut das Bewusstsein des Publikums für Armut und Ausgrenzung in der Schweiz stärken und den Zuhörer*innen die Lebenswelt der Betroffenen näherbringen – ein weiterer wichtiger Aspekt des Wirkens unseres Strassenchors.

Über die Musik hinaus

Schon seit der Gründung des Strassenchors 2009 ergänzen wir die Chorproben und Auftritte durch vielseitige soziokulturelle Aktivitäten. Diese gemeinsamen Theaterbesuche, Ausflüge und geselligen Anlässe stärkten auch im letzten Jahr zusätzlich das soziale Gefüge der Gruppe. Besonders spannend waren der Workshop für die Studioaufnahme «Surprise Fussball Song», der in Zusammenarbeit mit dem Strassenfussball-Team durchgeführt wurde. Eine Kooperation mit einem Chor aus Freiburg ermöglichte zudem neue Begegnungen, förderte den interkulturellen Austausch und stärkte das Gefühl, Teil eines grösseren kulturellen Netzwerks zu sein. Damit bestätigte sich erneut, dass der Strassenchor ein wirksames Angebot für die kulturelle und soziale Teilhabe armutsbetroffener und ausgegrenzter Menschen ist.

Gemeinsame Ausflüge wie hier zum Rheinfall in Schaffhausen stärken das Zugehörigkeitsgefühl. © Ismael Lorenzo.

Klingende Zukunft

2026 wird sich der Strassenchor darauf konzentrieren, das bestehende Angebot auf dem hohen Niveau aufrechtzuerhalten und qualitativ zu verbessern. Ausserdem wird er sich durch verlängerte Proben, Workshops, ein neues Repertoire und Kooperationen mit anderen Chören und Gastmusiker*innen künstlerisch weiterentwickeln – so bleibt das Programm für die Sänger*innen und natürlich auch für das Publikum spannend. Wir freuen uns auf ein spannendes Jahr und sind dankbar dafür, mit dem Angebot auch 2026 wieder einen Beitrag zur psychischen Gesundheit und zum Wohlbefinden von armutsbetroffenen und ausgegrenzten Menschen zu leisten.

Zahlen und Fakten

  • Mit 42 Proben, achtzehn Auftritten, zehn sozialen Anlässen, zwei Kooperationen und einem Workshop war die Chor-Agenda so voll wie noch nie.
  • 30 Sänger*innen waren dabei – ebenfalls ein neuer Rekord.
  • Aber auch der Unterstützungsbedarf war mit 176 Beratungsstunden so hoch wie nie zuvor.