Café Surprise
Netzwerken für eine Kaffeepause
Unser Café Surprise ist ein besonderes Angebot. Denn hier arbeiten wir nicht direkt für oder mit armutsbetroffenen und ausgegrenzten Menschen, sondern ziehen im Hintergrund die Fäden: Wir statten Betriebe, die das Prinzip des «Caffè Sospeso» anbieten möchten, mit dem nötigen Material aus, geben Praxistipps und listen sie in unserem Online-Verzeichnis auf – damit Menschen, die sich selbst keinen Kaffee leisten können, wissen, wo sie kostenlos einen trinken dürfen. Das funktioniert gut, auch im vergangenen Jahr ist das Netzwerk der teilnehmenden Gaststätten gewachsen und es gingen so viele Café Surprise über die Theke wie nie zuvor. Allerdings registrierten wir auch erstmalig ein Spendendefizit: Die Nachfrage war höher als die Anzahl der «hinterlegten» Tassen Kaffee – eine Entwicklung, die wir genau im Auge behalten werden.
145 solidarische Gastronomiebetriebe
Zuerst zu den «Good News». Auch 2025 meldeten sich wieder zahlreiche Betriebe bei uns, weil sie Teil des Café-Surprise-Netzwerks werden wollten: Ganze 23 Neuzugänge durften wir verbuchen. Demgegenüber sind einige Gaststätten ausgeschieden; meistens, weil sie leider schliessen mussten, und in einigen wenigen Fällen, weil das Konzept aus verschiedenen Gründen für sie nicht (mehr) funktionierte – acht Gaststätten fielen somit weg. Somit ist die Zahl der teilnehmenden Betriebe um fünfzehn auf 145 gestiegen. Zusätzlich wurden im Durchschnitt pro Betrieb mehr Tassen Kaffee spendiert und ausgegeben: Total konnte damit im vergangenen Jahr rund 30’000 Mal eine Person eine Kaffeepause einlegen, die ohne Café Surprise darauf hätte verzichten müssen. Das sind im Vergleich zum Vorjahr, als wir bereits einen Rekord verzeichnen durften, nochmal über 8’000 zusätzliche Tassen Kaffee.
Viele Betriebe geben sich besondere Mühe, den Gästen das Konzept nahezubringen – wie hier die «Kaffeebar Altes Pfarrhaus» in Muri.
Neben diesem numerischen Feedback gab es erneut viele positive persönliche Rückmeldungen. Meist erreichten uns diese über die Betriebe, welche von dankbaren Nutzer*innen berichteten. Auch die Presse schrieb gewohnt anerkennend über das Café Surprise, und im vergangenen Jahr wurde das Solidaritätsnetzwerk mit fünfzehn Medienberichten wieder deutlich häufiger aufgegriffen als im Vorjahr (sieben Berichte). All das funktioniert nur durch das beherzte Engagement aller Kaffees, Restaurants, Beizen und sonstiger Gastrobetriebe, bei denen der Café-Surprise-Sticker an der Tür klebt – an dieser Stelle deshalb auch nochmal ein herzliches «Danke» für diesen Einsatz!
Trendwende mit unklarem Ausgang
Demgegenüber entwickelte sich das Spendenverhältnis in eine neue Richtung. Bis 2023 war es so, dass durch das grosszügige Spendenverhalten der zahlenden Gäste insgesamt jeweils etwas mehr Café Surprise pro Jahr spendiert als bezogen wurden (zuletzt ca. 10 %). Einige Betriebe überführten die Spenden in eine andere, sinngemässe Unterstützung für armutsbetroffene und ausgegrenzte Menschen, bei manchen bildete sich ein kleines «Sicherheitspolster». Um dem entgegenzuwirken, haben wir proaktivaktiv potenzielle Bezüger*innen in den jeweiligen Regionen über das Angebot informiert.
2024 war dann das Verhältnis von spendierten und bezogenen Café Surprise wie angestrebt ausgeglichen. Allerdings wuchs die Nachfrage weiterhin stärker als das Angebot, weshalb 2025 erstmals rund 3’000 Kaffees «fehlten». Die Zahlen basieren auf einer jährlichen Selbstauskunft der Betriebe und sind damit mathematisch nicht vollständig belastbar, zeichnen aber in der Summe ein sehr plausibles Bild: Immer mehr Menschen in der Schweiz sind froh darum oder sind sogar darauf angewiesen, den Kaffee nicht selbst bezahlen zu müssen.
Surprise-Verkäuferin Seynab Ali Isse freut sich, gelegentlich einen kostenlosen Café Surprise im «Himmelwiit» in Effretikon zu trinken. © Jan Gubser / Zürcher Oberländer.
Weiterhin ein grosses Potenzial
Als Konsequenz haben einige Betriebe auf eigene Rechnung Kaffees ausgegeben, wenn jemand danach fragte, aber keine Spenden vorhanden waren; anderen war das nicht möglich, und sie mussten Menschen schweren Herzens abweisen. Wir tun bereits jetzt unser Bestes, um die betreffenden Gaststätten zu unterstützen – etwa durch die Übertragung von Spenden von Betrieben, die eben über einen gewissen Puffer verfügen. Das führen wir 2026 natürlich fort und beobachten die Situation genau, um allenfalls weitere Massnahmen zu ergreifen. Daneben bleibt es aber natürlich das Hauptziel des Angebots Café Surprise, möglichst viele Betriebe dazu zu bewegen, sich dem Netzwerk anzuschliessen. Damit wir mit dem wunderbaren Prinzip des «aufgeschobenen Kaffees» noch viel mehr Menschen eine kostenlose Pause im Alltag ermöglichen können.
Zahlen und Fakten
- 30’000 Café Surprise gingen 2025 über eine Theke der 145 teilnehmenden Gastrobetriebe in mittlerweile vierzig Städten und Ortschaften der Schweiz.
- Rund 10 % davon waren nicht im Voraus bezahlt worden, sondern wurden von den beteiligten Gaststätten auf eigene Rechnung ausgegeben – herzlichen Dank für diese 3’000 guten Taten!