Strassenmagazin

Diaspora: Das Erbe der Gastarbeiter

Habt ihr euch an der Bushaltestelle oder bei der Post auch schon das Leben der Menschen vorgestellt, die um euch herum stehen und ebenfalls warten? Wie sieht wohl die Wohnung dieser Person aus, was macht sie glücklich, was beschäftigt sie gerade?
 
Meistens liegen wir mit unseren Antworten wohl falsch. Wie schade. Wie einfach wäre es, wenn es nicht mehr als ein paar Augenblicke bräuchte, um einschätzen zu können, wer unser Gegenüber ist. Wie schön aber auch, dass das Leben vielfältiger und unberechenbarer und komplexer ist als unsere Vorurteile.
 
Wer die Fotos von Wahidullah Alikhan sieht, denkt vielleicht: ein selbstbewusster Mann, der mitten im Leben steht, vielleicht mit einer nachdenklichen Seite und bestimmt viel Witz. Und dann liest man seine Geschichte, wie er aus Kabul geflüchtet ist, via Iran, Türkei, die Balkanländer, bis in die Schweiz, und ist erschüttert. So erging es jedenfalls unserer Redaktorin Lea Stuber. Sie schreibt: «Irgendwie beruhigt es mich, dass man Alikhan diese Erfahrungen nicht ansieht, und gleichzeitig frage ich mich: Was wäre anders, wenn wir allen Menschen ihren Weg ansehen würden? Würden wir aktiv werden gegen eine menschenunwürdige Asylpolitik?» Teil 2 von Wahidullah Alikhans Fluchtgeschichte lest ihr in der neuen Ausgabe, auf Deutsch übersetzt von Klaus Petrus.
 
Ihr Innerstes zeigen, das müssen Asylsuchende auch im Schweizer Asylverfahren. Welche Konsequenzen es hätte, wenn dabei neu KI-Systeme eingesetzt würden, erklärt Datenwissenschaftler Thomas Mandelz im Interview von Lea Stuber.
 
Welches Bild nach aussen gibt man ab? Was sehen die Leute in einem? Um Fragen wie diese geht es auch in unserer Titelgeschichte über drei Berner Fussballklubs. Der SV Slavonija, FK Drina und FC Prishtina wurden vor Jahren von Männern gegründet, die vom Balkan in die Schweiz migriert sind. Welche Bedeutung die Klubs heute für ihre Communitys und darüber hinaus haben, in der Reportage von Janine Schneider (Text) und David Fürst (Fotos).
 
Wir wünschen schöne Begegnungen mit den Surprise-Verkäufer*innen und eine anregende Lektüre!