Deprivierte Kinder und Jugendliche

22.04.2026

Das Bundesamt für Statistik hat die Lebenssituation von Kindern untersucht, die in Familienhaushalten mit tiefen Einkommen leben. Diese Kinder sind in vielfältiger Weise in ihrem Lebensalltag benachteiligt oder – so der Fachausdruck – depriviert.

In der Statistik werden unterschiedliche Facetten von Benachteiligung in wichtigen Lebensbereichen beleuchtet. So können sich die betroffenen Kinder nur bedingt angemessen kleiden, oft fehlt auf ihren Tellern gesundes Essen wie Früchte und Gemüse, sie haben kaum Zugang zu altersgerechten Büchern und Spielzeugen und sind häufig von Geburtstagsfesten und Schulausflügen ausgeschlossen.

Gemäss der Definition der EU gelten Kinder als depriviert, wenn sie in mindestens drei von siebzehn wichtigen Lebensbereichen aus finanziellen Gründen benachteiligt sind. In der Schweiz traf dies 2024 auf 4,9 Prozent der Kinder unter 16 Jahren zu. Kinder in Haushalten mit tiefem Einkommen (unterstes Fünftel der Einkommensverteilung) sind in der Schweiz besonders häufig depriviert, ihr Anteil beläuft sich auf 14,2 Prozent. Im zweituntersten Quintil liegt der Anteil noch bei 5,2 Prozent, danach ist die Deprivation von Kindern kaum mehr zu beobachten.

Schaut man auf die verschiedenen Lebensbereiche, in denen Benachteiligungen vorkommen, so stechen für Kinder aus Haushalten im ersten Quintil einige Aspekte besonders heraus: 19,1 Prozent dieser Kinder können nicht einmal eine Woche in die Ferien fahren, 8,0 Prozent müssen auf kostenpflichtige Freizeitbeschäftigungen verzichten, 6,6 Prozent können keine Feste zu speziellen Anlässen feiern, 5,9 Prozent besitzen keine zwei Paar passende Schuhe in gutem Zustand und 5,8 Prozent kein Velo, Trottinett oder anderes Freizeitgerät für draussen. Diese Zahlen deuten darauf hin, dass Kinder aus einkommensschwachen Haushalten vor allem bei der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben benachteiligt sind und darum auch besonders häufig unter sozialer Ausgrenzung leiden. Dies ist vor allem auch dann der Fall, wenn diese Kinder in Eineltern-Haushalten leben.

Solche Einschränkungen haben Folgen. Diese Kinder werden mehr Mühe haben, eine gute Ausbildung zu machen, denn dem Schulsystem gelingt es bis heute nicht, solche Benachteiligungen auszugleichen und Chancengerechtigkeit zu ermöglichen.

Die Konferenz der kantonalen Sozialdirektor*innen (SODK) hat im Mai 2025 ein Förderprogramm beschlossen, um die Situation von Kindern und Jugendlichen in der Sozialhilfe zu verbessern. Ziel ist es, die Entwicklung von armutsbetroffenen Kindern zu fördern, damit sie später wirtschaftlich auf eigenen Beinen stehen und sich aus der Armut befreien können. Die SODK genehmigt dafür Kinderzuschüsse in der Gesamthöhe von 50 Millionen Franken. Die Schweizerische Konferenz für Sozialhilfe (SKOS) hat die Ausführungsbestimmungen zur Umsetzung dieses Förderprogramms erarbeitet. Diese sehen vor, dass ein Zuschlag von mindestens 50 Franken auf dem Grundbedarf für den Lebensunterhalt (GBL) für Kinder und Jugendliche gewährt wird.

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