Literatur
Die zweite der beiden Literaturausgaben mit dem Thema: Einblick
Meistens ist die zweite unserer Sommer-Literaturausgaben ein wenig düsterer als die erste. Kratzbürstiger, widerborstiger. Es mag am Thema liegen: Diesmal haben wir den Begriff «Einblick» vorgegeben. Offenbar drängt er zu einer inneren Wahrheit, die man in der Regel verschlossen hält. Vielleicht verschlossen halten muss.
Shpresa Jashari verhandelt in ihrem Text Migration als Geschichte von Arbeitskörpern und beschreibt damit so schmerzhaft wie kunstvoll eine Schweizer Realität. Arzije Asani erzählt eine sinnlich-haptische Waschszene, in der viele Schichten von Herkunft durchdrungen werden.
Dmitrij Gawrisch steigt in die Abgründe eines leeren Alltags hinab und füllt ihn mit der präzisen Beschreibung kleinster Handlungen. Und Andri Bänziger verfolgt – auch sehr minutiös – einen Vorgang, den man in der Regel eher aus der Aussenperspektive kennt.
Nora Osagiobare arbeitet sich literarisch am Akt des Schreibens ab und thematisiert ihn als Tätigkeit, die nicht nur viel mit Selbstzweifeln zu tun hat, sondern auch mit gesellschaftlichem Druck und der Erwartung an sich selbst.
Zum Schluss gibt es zwei sehr unterschiedliche Einblicke in Familienleben und Männerseelen. Gian Snozzis Männerwelt ist satirisch unterhaltsam, und Rebekka Salm verdichtet eine sich anbahnende Beziehungskrise auf einen Mini-Einakter.
Derweil die Illustratorin Vanessa Hatzky uns mit ihren Bildern wie in einem Videogame durch einen verborgenen Garten lotst.
Wir wünschen euch allen eine gute Lektüre!