Unter Druck

Das neue Surprise 636 ist da!

Parentifizierung – dieser sperrige Ausdruck steht in der Psychologie für eine Art Umkehr der Eltern-Kind-Beziehung: Töchter und Söhne übernehmen Aufgaben, die eigentlich den Eltern obliegen. Sie kümmern sich um Einkäufe, putzen die Wohnung, vereinbaren Termine, schlichten Konflikte zwischen Eltern und Geschwistern.

«Ich hatte nie das Gefühl, Kind sein zu dürfen», so bringen es die Jugendlichen in der Reportage von Demian Cornu auf den Punkt, illustriert von Dimitri Grünig. Die jungen Menschen sprechen über die psychischen Folgen dieser allzu frühen Verantwortung und wie sie sich in Parallelwelten zurückziehen, um sich zu erholen und zu schützen – aber auch davon, wie wichtig es für sie ist, Menschen um sich zu haben, welche die Last auf ihren Schultern bemerken.

Parallelwelten sind auch Teil der Realität von Sans-Papiers. Schätzungsweise 100 000 Menschen ohne gültige Aufenthaltsbewilligung leben und arbeiten in der Schweiz. Sie sind gezwungen, möglichst anonym und unbemerkt zu bleiben, «ein Leben im Schatten», wie David Essama das nennt.

Esssama heisst eigentlich anders, er stammt aus der Demokratischen Republik Kongo und lebt als Sans-Papiers in Basel. Unterstützt wird er von Aimé Ofounou, der sich schon seit Jahren für die politischen Rechte von Sans-Papiers einsetzt. Früher selber ein Sans-Papiers, hat er inzwischen eine Aufenthaltsbewilligung – und ist damit für viele andere ein Hoffnungsschimmer, so auch für Essama, wie das Porträt von Lea Stuber (Text) und Klaus Petrus (Bilder) deutlich macht. Mit ihnen beginnen wir unsere 3-teilige Serie über das Leben von Sans-Papiers in der Schweiz.

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