#547 Europa: Auf der Flucht
Mehr als nur Zahlen
Es ist der 26. Februar, nahe der kalabrischen Küste, als ein Schlauchboot sinkt. Später werden 79 Leichen von Migrant*innen angeschwemmt, ein Drittel der Toten sind Kinder. Viele, die flüchten müssen, leben gefährlich, und wer es nicht schafft, wird statistisch erfasst: Rund 3400 Migrant*innen kamen voriges Jahr allein bei
der Überfahrt nach Italien ums Leben oder werden vermisst.
Dabei steckt hinter jeder dieser Zahlen ein Mensch. Das mag banal klingen. Nur: die meisten derer, die auf der Flucht ihr Leben lassen, sterben anonym, fast so, als hätte es sie nie gegeben. Sie werden zu Statistik. Und die anderen Geflüchteten? Auch sie werden oft nur als Masse wahrgenommen, als Teil des «Flüchtlingsstroms», der sich angeblich zu einer «Welle» auftürmt und auf Europa zurollt. Als seien hier Naturkräfte am Werk, für die wir nichts können. Auch hier verschwinden die Einzelnen häufig hinter monströsen Zahlen.