Roya, Strassenfussballerin aus Basel

Roya lebt seit fünf Jahren mit ihrer 13-jährigen Tochter und ihrem 11-jährigen Sohn bei Basel. Alleinerziehend, strukturiert, zielstrebig. Morgens ist sie im Intensiv-Deutschkurs, nachmittags organisiert sie den Alltag. Dazwischen: Fussball. Ihr Kraftort.

«Wenn ich spiele, fühle ich mich leicht«, sagt sie. «Letzte Woche war ich so gestresst. Dann hatte ich ein Training– und plötzlich war alles weg. Ich hatte wieder Luft.»

Roya kommt ursprünglich aus Afghanistan. Ihre Reise in die Schweiz war lang und von Brüchen gezeichnet: Iran, Türkei, Griechenland – sechs Jahre dort, ohne Schule, ohne Freiheit. Ihr Mann verbot ihr zu lernen, zu arbeiten, zu leben. «Ich durfte nichts. Nur zu Hause sein.» Ab und zu ging sie trotzdem zum Fussball. Immer wieder. Weil es ihr guttat. Heute lebt sie getrennt – und frei. «Ich fühle mich freier ohne ihn. Aber ich muss auch alles allein machen. Dafür treffe ich jetzt meine eigenen Entscheidungen.»

Fussball ist für die 34-Jährige mehr als ein Spiel. Es ist eine Sprache. «Egal woher du kommst – auf dem Platz verstehen wir uns. Wir rennen, lachen, schiessen Tore. Wir sind verbunden.»

Ihre Kinder unterstützen sie. «Mama, du musst spielen! Das ist gut für dich, für deinen Körper und deinen Kopf«, sagen sie. Sie sind stolz auf Roya – auch wenn diese manchmal zweifelt. «Ich denke dann: Ich bin keine gute Mutter, wenn ich sie allein lasse. Aber mein Sohn sagt: Mama, das ist deine Zeit. Du darfst auch für dich da sein.»

Roya bereitet sich aufs nächste Turnier vor. Sie plant ihre Woche um das Training herum, verschiebt Einkäufe, trifft ihre Freundinnen an anderen Tagen als gewohnt. Fussball ist wichtig – für ihre Energie, ihre Selbstständigkeit, ihr Selbstvertrauen. Inzwischen spielt sie besser als früher und ist auch innerlich gewachsen. Sie hat gelernt, Vertrauen aufzubauen. Gemeinschaft zuzulassen. 

Und sie hat eine Botschaft: «Ich wünsche mir, dass mehr Frauen den Fussball einfach probieren. Viele denken: Das ist nur für Männer. Aber das stimmt nicht. Man muss es selbst erleben. Dann versteht man, was es bedeutet.»



English

Roja has been living near Basel for five years with her 13-year-old daughter and 11-year-old son. A single mother – structured, determined, focused.
In the mornings, she attends an intensive German course; in the afternoons, she organizes daily life. In between: football. Her source of strength.

„When I play, I feel light,“ she says. „Last week I was so stressed. Then I had training – and suddenly everything was gone. I could breathe again.“

Roja is originally from Afghanistan. Her journey to Switzerland was long and full of upheaval: Iran, Turkey, Greece – six years there, without school, without freedom. Her husband forbade her from learning, working, living. „I wasn’t allowed to do anything. Just stay at home.“
Now and then, she still went to play football. Again and again. Because it made her feel good. Today she lives separated – and free. „I feel freer without him. But I have to do everything on my own now. Still, I make my own decisions.“

For the 34-year-old, football is more than just a game. It’s a language. „No matter where you come from – on the pitch we understand each other. We run, laugh, score goals. We’re connected.“

Her children support her. „Mom, you have to play! It’s good for you – for your body and your mind,“ they say. They’re proud of Roja – even when she doubts herself. „Sometimes I think: I’m not a good mother if I leave them alone. But my son tells me: Mom, this is your time. You’re allowed to do something just for you.“

Roja is preparing for the next tournament. She plans her week around training, reschedules shopping, meets friends on other days. Football is important – for her energy, her independence, her self-confidence.
She now plays better than she used to and has grown on the inside, too. She’s learned to build trust. To allow community.

And she has a message: „I wish more women would just try football. Many think: That’s only for men. But that’s not true. You have to experience it yourself. Then you understand what it really means.“