Alleinlebende Working Poor
175 000 Erwerbstätige lebten 2024 in armutsbetroffenen Haushalten. Dies entspricht einer Quote von 4,3 Prozent. Rechnet man alle Personen – also auch die nicht erwerbstätigen –, die in solchen Working-Poor-Haushalten leben, zusammen, kommt man auf rund 300 000 Betroffene.
Verschiedene Faktoren tragen dazu bei, dass Personen trotz Erwerbsarbeit armutsbetroffen sind. Dazu zählen das Bildungsniveau der Erwerbstätigen, die Branche, in der sie arbeiten, der Erwerbsumfang sowie die Sprachregion, in der sie leben. Am häufigsten wird aber auf den Haushaltstyp verwiesen, der die Wahrscheinlichkeit beeinflusst, dass jemand als Working Poor gezählt wird. So haben insbesondere Einelternhaushalte mit 9,0 Prozent und Familien mit drei und mehr Kindern mit 7,8 Prozent ein überdurchschnittlich hohes Risiko, ein Working-Poor-Haushalt zu sein. Auch Arbeitstätige sind offenbar zusätzlich armutsgefährdet, wenn sie Kinder haben. Will die Politik diese Situation verbessern, schlägt sie darum oft eine bessere Abdeckung der Kosten für die Kinder vor, sei dies eine höhere Familien- oder Kinderzulage oder die Einführung von Ergänzungsleistungen für Familien.
In der Diskussion über Working Poor wird oft übersehen, dass auch Einpersonenhaushalte (unter 65 Jahren) mit 8,5 Prozent eine überdurchschnittlich hohe Quote aufweisen; zudem machen sie mit rund 40 Prozent den höchsten Anteil an allen Working-Poor-Haushalten aus. Möchte man diesen Personen helfen, der misslichen Lage zu entkommen, muss man sozialpolitisch andernorts ansetzen. Leider lassen es die Zahlen des Bundesamtes für Statistik nicht zu, diese Personengruppe vertieft zu analysieren. Auch hier dürften Faktoren wie der Berufsabschluss, der Wirtschaftszweig, in dem gearbeitet wird, aber auch der Beschäftigungsgrad eine entscheidende Rolle spielen. Und zwar vor allem dann, wenn bei einer Person mehrere dieser Faktoren gleichzeitig gegeben sind.
So zeigt sich, dass Personen, die nur einen obligatorischen Bildungsabschluss haben, ein deutlich höheres Working-Poor-Risiko aufweisen als alle anderen mit qualifizierteren Ausbildungen. Massnahmen zur Förderung einer Berufslehre wirken hier präventiv. Arbeitet man in einer Tieflohnbranche wie in der Gastronomie, Hotellerie, im Reinigungsgewerbe oder in privaten Haushalten, so erhöht sich das Risiko ebenfalls. Hier können für eine ganze Branche verbindliche Mindestlöhne eine Verbesserung bringen.
Schliesslich spielt es auch eine Rolle, in welchem Ausmass man einer Erwerbstätigkeit nachgeht. Vollzeiterwerbstätige haben ein deutlich kleineres Risiko, trotz Beschäftigung in die Armut zu rutschen, als jene, die teilzeitlich arbeiten. Oft ist eine Erhöhung des Beschäftigungsgrades aber nicht so einfach möglich. Zum einen können gesundheitliche Faktoren gegen eine Erhöhung des Pensums sprechen, zum anderen kämpfen viele dieser Erwerbstätigen mit einer unfreiwilligen Unterbeschäftigung, will heissen: Sie finden mit ihrem beruflichen Profil keine Vollzeitstelle.